Interview
„Ärzte werden gezielt angegriffen“

Die Lage in Syrien spitzt sich zu: Selbst Krankenhäuser werden angegriffen – von beiden Konfliktparteien, sagt Frank Dörner, Geschäftsführer von Ärzte ohne Grenzen. Die Organisation hat Hinweise auf einen Giftgaseinsatz.
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Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) betreibt in Syrien sowie den Nachbarländern, in die die Bevölkerung flieht, Krankenhäuser und mobile Gesundheitsstationen. Vor Ort versorgen 700 nationale und internationale Ärzte die Kriegsverletzten und Kranken. Die Situation wird für Flüchtlinge sowie unabhängige Helfer immer gefährlicher.

Sie haben Kontakt zu den Krankenhäusern in der Nähe von Damaskus, in denen die vermuteten Giftgasopfer behandelt wurden. Handelt es sich nach Ihren Erkenntnissen um einen Giftgasangriff?
Frank Dörner: Wir haben in der Region keine eigenen Mitarbeiter, aber sehr zuverlässige Berichte aus drei Krankenhäusern in der Nähe von Damaskus erhalten. Die Krankenhausmitarbeiter vor Ort berichteten uns von 3600 Patienten, die neurotoxische Symptome, also Symptome einer Vergiftung durch ein Nervengift, aufwiesen. 355 der Patienten sind gestorben. Wir können allerdings nichts dazu sagen, um welches Toxin es sich gehandelt und wer es eingesetzt haben könnte.

Ärzte ohne Grenzen arbeitet zwischen den Konfliktparteien. Wie gefährlich ist die Situation?
Die Situation ist extrem besorgniserregend. Medizinische Einrichtungen wie Krankenhäuser und Ambulanzen sowie medizinisches Personal werden landesweit immer wieder Ziel von Angriffen. Ärzte und anderes medizinisches Personal wird ebenfalls bedroht. Das ist inakzeptabel.

Kommen die gezielten Angriffe auf medizinische Einrichtungen von Assads Regierungstruppen oder bewaffneten Oppositionsgruppen?
Wir haben sehr viele belastbare Berichte und müssen sagen: von allen Konfliktparteien.

In Damaskus sind Sie nicht präsent. Warum nicht?
Wir sind schon seit dem Beginn des Konflikts in Gesprächen mit der Regierung, haben es leider aber bis heute nicht geschafft, einen Modus Operandi für Damaskus und die weiteren von den Regierungstruppen kontrollierten Gebiete zu erreichen. Wir machen deutlich, dass wir kein politisches Interesse haben, keine Position im Konflikt einnehmen. Wenn unsere Arbeit, die darauf zielt, den Menschen ein Mindestmaß an medizinischer Versorgung zukommen zu lassen, aber nicht akzeptiert wird, ist unsere Arbeit unmöglich.

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  • Es ist mal wieder unglaublich, dass die USA & Rest wieder eine Begründung suchen, um ein Land zu bombardieren. Wenn die Assad Regierung nicht mehr ist, dann werden dort sunnitische Fundamentalisten regieren. Dann haben die USA auch wieder einen Grund zum bombardieren. Hauptsache, die Länder wegen destabilisiert. Denn nur so kann man seine eigene Stabilität sichern. Wer bestraft die USA eigentlich für deren Giftgasbombardierung über Jahre hinweg bei Vietnam?

  • Welches Giftgas,
    bei Verwendung von Sarin gibt es keine Überlebenden. Also
    welches Giftgas wurde eingesetzt? Wie kam es dahin ? Wenn
    Giftgas durch Bodentruppen verwendet wird, dann besteht eine große Eigengefahr durch drehende Winde die das Giftgas in andere Richtungen treibt.Vielmehr wahrscheinlich ist der
    Einsatz von Toxinen im Trinkwasser. Da kommen die Toxine
    gezielt an das Zielgebiet, und zwar still und leise. Weisen
    Sie das mal nach.

  • Immer dieselbe schmierige Komödie (oder Tragödie): Der böse Diktator (der jedoch etliche heimische Befürworter hat), der angeblich Giftgas oder sonstwas gegen die eigene Bevölkerung einsetzt, heimlich Massenvernichtungsmittel sitzt, ist angeblich unberechenbar geworden und muss daher (freilich durch die USA oder deren Vasallen)unschädlich gemacht werden. Ein probate Schauergeschichte, um dem Volk den Krieg plausibel zu machen. Fragen wir nicht: "Cui bono?" und verschweigen wir auch die geopolitischen Interessen der USA & Co.

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