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Interview: Aso fordert neue Wachstumsmodelle

exklusiv Die Wirtschaftskrise hat nach Ansicht von Japans Premier Taro Aso das bisherige Wachstumsmodell der Industrieländer zerstört. Nun befinde sich die Weltwirtschaft aber in einer Ära der umfassenden Neuordnung, in der sie nach einem neuen Gleichgewicht suche. Vor allem exportorientierte Industrieländer müssten sich künftig umstellen, sagte Aso dem Handelsblatt.

Japans Premier Aso: "Die Krise hat unser Wachstumsmodell zerstört." Quelle: Reuters
Japans Premier Aso: "Die Krise hat unser Wachstumsmodell zerstört." Quelle: Reuters

Handelsblatt: Japan wird 2009 trotz hoher Altschulden neue Staatsanleihen im Wert von umgerechnet 335 Mrd. Euro ausgeben. Der IWF rät nun zu einer nachhaltigeren Etatpolitik. Wann wird der Staat die Schulden zurückzahlen?

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Aso: Die Konjunktur in Japan verschlechtert sich weiter rapide; wir sprechen zu Recht von einer Wirtschaftskrise. Bei unseren Gegenmaßnahmen haben wir mit Blick auf die angespannte Haushaltslage sehr genau darauf geachtet, nur zeitlich befristete Maßnahmen auszuwählen, die die Wirtschaft wirklich stützen und das künftige Wachstumspotenzial stärken.

Und die Rückzahlung?

Eine entschlossene finanzpolitische Mobilisierung muss zugleich verantwortliche Haushaltspolitik betonen. Auch müssen wir angesichts des Geburtenrückgangs und der Überalterung die Sorgen der Menschen wegen der sozialen Sicherheit ausräumen. Die Regierung hat bereits früher mittelfristige Ziele für eine nachhaltige Haushaltspolitik aufgestellt und führt ihr Engagement für eine Konsolidierung fort.

Die Krise scheint die weltweiten Kräfteverhältnisse weiter zu verschieben; der ehemals dominierenden G8 stehen ehrgeizige Länder wie China oder Indien gegenüber. Was heißt das für die Beziehung zwischen Japan und der EU?

Japan und die EU haben ähnliche Vorstellungen in Bezug auf die Beziehungen zwischen Markt und Regierung. Auch genießen Umwelt- und Verbraucherschutz bei unseren Bürgern einen hohen Stellenwert. Japan und die EU haben ihre jeweiligen Nachbarn ermutigt, nach Wohlstand zu streben, sie unterstützt und sich dabei gegenseitig geholfen. Nun suchen wir angesichts der Weltwirtschaftskrise nach neuen Wegen für ein Wirtschaftsmanagement. Dem Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen zwischen Japan und der EU kommt dabei große Bedeutung zu.

Was heißt das konkret?

Um Aufgaben globaler Dimension zu lösen, ist ein Zusammenwirken der Staatengemeinschaft bedeutsam. Dabei ist es wichtig, auch die Schwellenländer zu einem Beitrag zu veranlassen. Die G20 und andere Foren bieten einen Rahmen für die Kooperation einer großen Zahl von Ländern. Japan will mit jenen zusammenarbeiten, die den Willen und das Potenzial zur Übernahme von Verantwortung in diesen Institutionen zeigen. Wir halten es deshalb für wichtig, nach besseren Mitteln und Wegen für das Management der internationalen Gemeinschaft in der neuen Ära zu suchen.

Wo bleibt da die G8?

Ich denke, dass die G8 angesichts der größeren Vielfalt in der Welt an Bedeutung gewinnt. Sie teilt die Werte Demokratie, Achtung der Menschenrechte und Marktwirtschaft. Die G8 sollte sich als Kern der internationalen Prozesse etablieren und den Dialog mit Schwellenländern ausbauen.

Deutschland und Japan leiden beide unter einem Exporteinbruch und sehen sich mit einer ähnlich tiefen Rezession konfrontiert. Was können reife Industrieländer tun, um ihre Abhängigkeit vom Ausland zu überwinden?

In den letzten rund 20 Jahren hat die Weltwirtschaft durch die überzogene Kreditaufnahme und den übermäßigen Konsum der Länder mit Handelsbilanzdefizit ein hohes Wachstum verzeichnet. Finanziert wurde dies durch Länder mit Handelsbilanzüberschuss. Dieses Modell für weltweites Wachstum ist durch die Krise zerstört worden. Die Weltwirtschaft befindet sich nun in einer Ära der umfassenden Neuordnung, in der sie nach einem neuen Gleichgewicht sucht.

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