Interview
Blair sieht Irak-Einsatz als "Desaster"

Der britische Premierminister Tony Blair hat in einem Interview mit dem arabischen Fernsehsender Al-Dschasira eingestanden, das der Irak-Einsatz ein "ziemliches Desaster" gewesen sei.

HB LONDON/BAGDAD. Blair hat massive Schwierigkeiten beim bisherigen Verlauf des Einsatzes zugegeben. In dem Interview sagte er, der Grund dafür liege jedoch nicht in einer schlechten Vorbereitung, sondern in dem Verhalten von Aufständischen im Irak, die aus dem Ausland unterstützt würden. Großbritannien, das seit der Invasion des Irak an der Seite der USA steht, hat immer noch 7 000 Soldaten im Südirak stationiert.

Blair äußerte sich im neuen englischsprachigen Kanal von Al- Dschasira, der seit dieser Woche auf Sendung ist. Auf die Frage, ob die Invasion des Irak bislang nicht ein ziemliches Desaster gewesen sei, sagte er: „Ja.“ Die Schwierigkeiten ergäben sich jedoch nicht aus einer fehlerhaften Planung, sondern aus einer „klaren Strategie“ von sunnitischen und schiitischen Aufständischen, die von der Terrororganisation El Kaida beziehungsweise dem Iran unterstützt würden. Zugleich bekräftigte der Premierminister, dass es keinen baldigen Abzug der britischen Truppen geben werde. „Wir gehen aus dem Irak nicht weg. Wir werden so lange bleiben, wie uns die Regierung braucht.“

Brown kündigt zusätzliche Hilfen an

Bei einem überraschenden Besuch in der südirakischen Stadt Basra sagte der britische Finanzminister Gordon Brown dem Irak unterdessen eine zusätzliche Wiederaufbauhilfe von mindestens 100 Millionen Pfund (rund 148 Millionen Euro) zu. Bislang hatte Großbritannien der Regierung in Bagdad schon Hilfszusagen von umgerechnet 800 Millionen Euro gemacht. Für Brown, der als aussichtsreichster Anwärter auf die Nachfolge von Blair gilt, war dies der erste Besuch im Irak. Brown traf in Basra mit dem stellvertretenden Regierungschef Barham Salih zusammen. Großbritannien werde dem Irak dabei helfen, eine „demokratische Nation aufzubauen, die dem Volk Sicherheit und Wohlstand bringt“, versicherte er.

Baker traf Syrer

Auf der Suche nach einem Ausweg aus dem Kriegsdilemma im Irak ist der frühere US-Außenminister James Baker einem Zeitungsbericht zufolge mit syrischen Vertretern zusammengetroffen. Der Vorsitzende einer US-Expertenkommission zur Irak-Politik habe sich mit dem syrischen Außenminister Walid al-Muallem beraten, meldete die „New York Times“ (Samstag) unter Berufung auf Syriens Botschafter in den USA, Imad Moustapha.

Baker habe dabei Bedingungen sondiert, unter denen Syrien bereit wäre, im Irak zu helfen, wird der Diplomat zitiert. Das Weiße Haus hatte erst am Freitag erklärt, Syrien könne eine „positive Rolle“ im Nahen Osten einnehmen, falls Damaskus das wünsche. Die US-Regierung hatte Syrien in der Vergangenheit allerdings auch mehrfach vorgeworfen, Terrorgruppen zu unterstützen. Botschafter Moustapha nannte die Gespräche mit Baker und der Expertenkommission „ermutigend“. Syrien sei motiviert, eine Rolle im Irak zu übernehmen, sagte er der Zeitung. Damaskus stehe auf keiner Seite, sondern sei „der Freund von allen Beteiligten“.

Die Baker-Kommission, der jeweils fünf Demokraten und Republikaner angehören, will ihre Empfehlungen für eine neue Strategie im Irak bis Ende Dezember vorlegen. Führende Demokraten hatten nach ihrem Kongresswahlsieg vom 7. November einen phasenweisen Abzug der US- Truppen aus dem Irak von spätestens März kommenden Jahres an gefordert.

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