Interview
„Fairer Ölpreis liegt bei 70 bis 80 Dollar“

Russlands Energieminister Sergej Schmatko erklärt im Interview mit dem Handelsblatt, warum er sich trotz des gefallenen Ölpreises keine Sorgen um die Staatseinnahmen macht, warum es besser ist, beim Bau von Atomkraftwerke mit dem Iran zusammenzuarbeiten und warum ihm wegen des Pipeline-Projekts Nabucco nicht bange ist.

Handelsblatt: Russland hat die letzten Jahre von gewaltigen Öleinnahmen gelebt, nun ist der Preis eingebrochen. Wovon lebt Russland jetzt?

Sergej Schmatko: Natürlich sind die Einnahmen aus dem Öl- und Gassektor für den russischen Haushalt bedeutend, natürlich vor allem wegen des hohen Ölpreises im vorigen Jahr. Da bekamen wir bis zu 40 Prozent allein aus der Ölbranche. In diesem Jahr wird es, bei allen Schwierigkeiten die Staatseinnahmen angesichts der Krise zu prognostizieren, wohl ähnlich bedeutend bleiben.

Ist das denn realistisch?

Ja, denn im Gegensatz zum drastischen Einbruch der sonstigen Industrieproduktion steht die Ölindustrie noch stabil da: Wir haben die Förderung sogar ein bisschen erhöht im ersten Halbjahr. Zudem haben die russischen Ölfirmen als Anti-Krisen-Maßnahme und um die Investitionen nicht sinken zu lassen, Steuererleichterungen von vier bis fünf Mrd. Dollar bekommen.Damit wollen wir erreichen, dass die Chefs der Ölkonzerne ihre Investitionen nicht absenken und sie dazu bewegen, mit ihren Aufträgen den russischen Maschinen- und Anlagenbau, die Lkw- und Röhrenproduzenten stärker auszulasten.

Über die Höhe des Ölpreises wird stets gestritten.Wo liegt denn Ihrer Meinung nach der faire Ölpreis?

Zwischen 70 bis 80 Dollar pro Barrel ist für Produzenten ein guter Preis, wo die Einnahmen Investitionen in die Ölförderung rechtfertigen und langfristig die Belieferung des Weltölmarktes gesichert wird.

Und wie sieht es mit der russischen Gasindustrie aus, die Exporte brechen wegen der Wirtschaftskrise ja derzeit massiv weg?

Die Gasindustrie war immer unser Rückgrat und unserer Valutaeinnahmen. Sie wird aber von der Krise jetzt heftiger erfasst als der Ölsektor. Und deshalb dürfen wir gerade in dieser Zeit, die Investitionen nicht stoppen und darum investiert Gazprom 20 bis 22 Mrd. Dollar dieses Jahr. Damit wird die Gas-Infrastruktur weiter ausgebaut und wir erschließen neue Märkte.

Wo denn?

Wir bauen eine Gaspipeline in den Fernen Osten, um die Region dort mit russischem Erdgas zu versorgen und wir setzen nun noch stärker auf Flüssiggas-Anlagen, um unsere Exporte zu diversifizieren.

Und deshalb wird Europa im kommenden Winter wieder weniger russisches Gas bekommen?

Nein, denn die Gasquellen sind ja unterschiedliche. Europa ist ausreichend gesichert mit unseren heutigen Ressourcen. Zudem haben wir mit den Abnehmern Langfristverträge, so dass sie auch in der Krise höchstens zehn bis 20 Prozent weniger bei uns kaufen können. Und, zweitens, hat die um 50 bis 60 Mrd. Kubikmeter zurückgegangene Gasproduktion auch einen positiven Aspekt: Gazprom kann nun bei einem kalten Winter oder wenn Europa aus der Wirtschaftskrise kommt seine Produktion schnell hochfahren - ohne große Investitionen.

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