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Interview: „Iran ist eine Insel der Stabilität“

Robert Baer ist Ex-Agent des US-Geheimdienstes CIA und Nahost-Experte. Baer hält den Iran für eine zukünftige Supermacht. Im Interview mit dem Handelsblatt spricht der Experte über die Atom-Pläne Teherans und die künftige Iran-Politik der USA.

Irans Präsident Ahmadinejad. Irans Einfluss wird größer, meint Robert Baer. Foto: dpa Quelle: dpa
Irans Präsident Ahmadinejad. Irans Einfluss wird größer, meint Robert Baer. Foto: dpa Quelle: dpa

In Ihrem Buch "The Devil we know - Dealing with the New Iranian Superpower" bezeichnen Sie Iran als zukünftige Supermacht. Wie können die USA den imperialen Ambitionen Teherans in der Region begegnen?

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Hisbollah, Hamas und die schiitischen Parteien im Irak suchen in Teheran finanzielle Hilfe und Unterstützung. Solange die USA nicht den Israel-Palästina-Konflikt lösen, wird Irans Einfluss dort wachsen. Im Vergleich zu seinen Nachbarstaaten ist Iran geradezu eine Insel der Stabilität in dieser unruhigen Region. Es ist eine Nation mit gewaltigem Potenzial, das bisher aber nicht ausgeschöpft wird, mit natürlichen Grenzen, einem stabilen Staatsaufbau und einer starken Armee.

Und die atomare Bedrohung?

Mir wäre es auch lieber, Iran würde auf die Bombe verzichten. Und selbst wenn das Land morgen im Besitz von Atomwaffen wäre, würde es damit nicht Tel Aviv angreifen, um anschließend von den USA ausradiert zu werden. So selbstmörderisch ist Irans Regime nicht veranlagt. Wenn überhaupt, hätte die iranische Bombe defensiven Charakter.

Müsste Washington für eine Kehrtwende in der Iran-Politik die Beziehungen zu moderaten arabischen und sunnitischen Regimen in der Region zugunsten des schiitischen Iran aufgeben?

Richtig. Saudi-Arabien und Pakistan sind keine zuverlässigen Partner. Die USA benötigen Verbündete mit Durchsetzungskraft, nicht irgendwelche Stämme, die sich langfristig kaum an der Macht halten dürften.

Bringt der Westen sunnitische Regime gegen Teheran in Stellung?

Ja. Die sogenannten moderaten Staaten, allen voran Saudi-Arabien, werden ja massiv aufgerüstet. Langfristig handelt es sich hierbei um eine Fehlkalkulation. Die USA und Iran haben einen gemeinsamen Feind - die sunnitischen Extremisten um El Kaida.

Ist von Barack Obama eine neue Iran-Politik zu erwarten?

Da bin ich nicht sehr optimistisch. Außenministerin Hillary Clinton bewegt sich auf den ausgetrampelten außenpolitischen Pfaden wie ihre Vorgänger. Und ob Obama politisches Kapital verspielen möchte angesichts der bestehenden Herausforderungen, ist doch sehr fraglich. Anstatt uns zum Narren zu halten und zu phantasieren, wie man in Afghanistan und dem Irak Fortschritte erreicht, sollte Obama einen Ausgleich mit Iran anstreben, der zukünftigen Supermacht in der Region. Das würde nicht nur die ganze Region stabilisieren, sondern auch weitere Konfrontationen eindämmen.

Die Fragen stellte Ramon Schack.

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