Interview mit Assad: Westen wird für Rebellenunterstützung „Preis zahlen“

Interview mit Assad
Westen wird für Rebellenunterstützung „Preis zahlen“

Für seine Unterstützung der Rebellen werde der Westen „den Preis im Herzen Europas und im Herzen der USA zahlen“, sagte Syriens Staatschef. Außerdem warnte er von einem Übergriff der Kämpfe auf Jordanien.
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Damaskus/KairoSyriens Staatschef Baschar al-Assad hat vor einem Übergreifen des Bürgerkriegs in seinem Land auf Jordanien gewarnt. „Das Feuer wird nicht an unseren Grenzen Halt machen, die ganze Welt weiß, dass Jordanien ebenso schutzlos ist wie Syrien“, sagte Assad am Mittwoch im syrischen Staatsfernsehen. Assad wirft dem Nachbarland regelmäßig vor, gegen seine Truppen kämpfende Rebellen auszubilden.

Der jordanische Informationsminister Mohammed Momani kündigte indes die Entsendung von 200 US-Soldaten nach Jordanien an. Sie sollten die jordanische Armee „angesichts der sich verschärfenden Lage in Syrien“ unterstützen, sagte er der Nachrichtenagentur AFP. Ob mit den Soldaten auch Kriegsgerät nach Jordanien verlegt werde, sei offen. In dem Land lebt derzeit etwa eine halbe Million Flüchtlinge aus Syrien.


Weiter warnte Assad den Westen vor der Unterstützung terroristischer Gruppen in seinem Land gewarnt. „Der Westen hat die Al-Kaida in Afghanistan in ihrer Anfangsphase unterstützt und später einen hohen Preis dafür bezahlt. Heute unterstützt er die Al-Kaida in Syrien, Libyen und an anderen Orten. Dafür wird er später den Preis im Herzen Europas und im Herzen der USA zahlen“, sagte Assad.
In dem Interview des regimetreuen Senders Al-Ichbarija schien Assad auf die radikale Al-Nusra-Front, die in mehreren syrischen Provinzen gegen die Regierungstruppen kämpft, Bezug zu nehmen. Diese hatte erst vor wenigen Tagen ihre Zugehörigkeit zur Al-Kaida erklärt. In der Vergangenheit hat das syrische Regime oppositionelle Gruppen immer wieder als „terroristische Banden“ bezeichnet.


In Syrien gibt es seit Mitte März 2011 einen Aufstand gegen Assad, seit dessen Beginn nach Angaben der Vereinten Nationen mehr als 70.000 Menschen getötet wurden. Assad sagte am Mittwoch in seinem Fernsehinterview, es sei die „Entscheidung des Volks“, ob er sich zurückziehen werde, ohne nähere Ausführungen zu machen.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Jordanien schutzlos ? Soweit sind wir noch nicht. Assad
    ist im Gedanken schon einen Schritt weiter. Dabei geniesst
    Jordanien seit dem verlorenen 67-Krieg doch die volle
    Unterstützung von USA und Israel. Das ist auch der Grund,
    warum Jordanien bisher von der vollen Wucht der islamistischen Revolutionäre bewahrt blieb. Ist aber mal
    Syrien gefallen gibt es vermutlich keinen Grund mehr
    Jordanien zu schonen. Für eine ethnische Neuordnung des
    nahen Osten kann man doch keine Ausnahmen machen. Ausserdem wissen "unsere" Revolutionenunterstützer sicher
    eher, wozu sie ihre islamistischen Fusstruppen einsetzen
    als die betroffenen "nützlichen Kämpfer-Idioten", die
    sonst kaum eine Perspektive haben. Ähnlich wie Jordanien
    könnte es auch den relativ liberalen VaE (Emiraten) gehen,
    wie z.Z. ein Verfahren gegen Verschwörer mit vermutlich
    saudischen Hintermännern zeigt. Ist diese Welt erst mal
    so richtig im Umbruch - wer kann die Richtung steuern ?

  • Bei diesen Kommentaren scheint man zu vergessen, dass
    Deutschland nicht unabhängig ist. Fest eingebunden in NATO
    und politisches/wirtschaftliches System besteht nur die
    Wahl zwischen offener Unterstützung der syr. Rebellen
    oder in einer zurückhaltenden eher finananziell-
    logistischen Unterstützung der "Westlichen Strategie".
    Assads Warnung vor dem Terrorismus in den westlichen
    Staaten ist vermutlich Wunschdenken, aber irreal. Den
    islamischen Terrorismus muss man in der EU eher suchen.
    Die Opferzahlen sind so gering, dass statistisch fast jedes andere Risiko grösser ist. Also hat die Presse
    alle Mühe die Menschen immer wieder an die Terrorismus-
    Gefahr zu erinnern und zu dramatisieren. Viel grösser
    dürfte das Opferrisiko werden, wenn die EU pleite geht
    und die verschiedenen Ethnien sich gegenseitig die Schuld
    geben.

  • Deutschland kann sich humanitär am Syrien-Konflikt beteiligen , das sollte es dann aber auch gewesen sein .
    Dabei ist es wichtig, weder die eine , noch die andere Partei zu bevorzugen .
    Ich würde sogar die Patriot , für die Deutschland die Verantwortung hat , wieder zurückholen !

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