Interview mit ehemaligem Botschafter
China ist mit Schröder "zufrieden“

Der ehemalige Botschafter Chinas in Deutschland, Mei Zhaorong, äußert sich im Interview zum deutsch-chinesischen Verhältnis. Die Fragen stellte Andreas Hoffbauer.

Fürchten Sie eine Abkühlung des deutsch-chinesischen Verhältnisses, falls Angela Merkel im Herbst Kanzlerin wird?

Man muss erst mal sehen, was wirklich passiert. Ich glaube nicht, dass es eine völlig andere deutsche China-Politik geben wird. Es ist ja so, dass ein Politiker oft ganz anders redet, wenn er an der Regierung ist.

Aber würde China mit Gerhard Schröder nicht einen starken Fürsprecher in Europa verlieren?

Mit Kanzler Schröder sind wir sehr zufrieden, er kennt inzwischen China sehr gut. Deutschland sollte auf jeden Fall weiter auf die guten Beziehungen mit China bauen. Wir wollen mit der Bundesrepublik langfristig und nicht nur wirtschaftlich zusammenarbeiten.

Woran könnte das scheitern?

Ich glaube, das größte Problem von CDU und FDP ist, dass sie China heute nicht wirklich kennen. Das ist eben nicht mehr die CDU unter Kohl.

Ein CDU-regiertes Deutschland wird stärker an die USA heranrücken. Sorgt Sie das?

Wir haben nichts gegen ein gutes Verhältnis zwischen Deutschland und den USA – das sollte aber nicht auf Kosten Chinas geschehen.

In der Taiwan-Frage gibt es immer wieder kritische Stimmen aus der CDU. Könnte auch das die Beziehungen belasten?

Es war früher so, dass es in der CDU immer wieder Politiker gegeben hat, die nach Taiwan gereist sind. Aber ich glaube nicht, dass dies letztlich die Politik einer Bundesregierung beeinflussen wird. Denn eines steht fest: Die Ein-China-Politik ist und bleibt die politische Grundlage für alle unsere Beziehungen mit dem Ausland. Das gilt übrigens nicht nur für Deutschland.

Bundeskanzler Schröder macht sich für die Aufhebung des EU-Waffenembargos stark, seine CDU-Herausfordererin Merkel dagegen nicht. Ein weiterer Streitpunkt?

Beim Thema EU-Waffenembargo gäbe es mit einer neuen Bundesregierung sicherlich feine Nuancen. Das Embargo ist längst überholt und ist nicht vereinbar mit dem Geist der guten Beziehungen. Uns geht es um eine politische Geste, um die Beseitigung der politischen Diskriminierung. Sonst wäre die strategische Partnerschaft von Europa und China nicht glaubwürdig.

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