Interview mit G8-Sherpa Bernd Pfaffenbach
Europa bleibt beim Klimaschutz top

Der Gipfel in Heiligendamm war der Höhepunkt der deutschen G8-Präsidentschaft. Im Handelsblatt-Interview spricht G8-Sherpa und Wirtschaftsstaatssekretär Bernd Pfaffenbach über das weitere Programm der Präsidentschaft, die Umsetzung der Klimaziele und die Aktivitäten von staatskontrollierten Unternehmen oder Staatsfonds.

Handelsblatt: Wie sieht die Agenda für die verbleibende Zeit der deutschen G8-Präsidentschaft aus?

Pfaffenbach: Auf dem Treffen der Uno-Umweltminister in Bali soll im Dezember ein konkreter Fahrplan für die Verhandlungen über ein Klimaabkommen für die Zeit nach 2012 erarbeitet werden. Hierfür bilden die Beschlüsse des G8-Gipfels in Heiligendamm eine wichtige Grundlage. Dabei geht es zum einen darum, dass die Industrieländer ihrer Verantwortung für eine weitere Senkung der Treibhausgasemissionen gerecht werden. Es wird aber auch darüber gesprochen, wie große Schwellenländer wie z. B. China, Indien, Brasilien, Mexiko und Südafrika in die Reduzierung des Kohlendioxydausstoßes einbezogen werden können.

Welche Rolle spielen die Amerikaner für diesen Prozess?

In Heiligendamm haben die Vereinigten Staaten den Klimaschutzprozess im Rahmen der Vereinten Nationen als das zentrale Forum für Verhandlungen über Fortschritte im Klimaschutz anerkannt. Das war der große Erfolg von Heiligendamm. Vor Heiligendamm hätten wir befürchten müssen, dass die Amerikaner jederzeit ein Anschlussabkommen an das Kyoto-Protokoll in Frage stellen könnten. Diese Gefahr besteht jetzt nicht mehr. Im Gegenteil, bereits im November wollen die Amerikaner wichtige Länder zu Klimaschutzgesprächen nach Washington einladen. Alle Gespräche münden in der Uno-Konferenz.

Könnten die G8-Klimaziele nicht an der mangelnden nationalen Umsetzung scheitern?

Das lässt sich jetzt noch gar nicht absehen. Deutschland hätte sicher auf dem G8-Gipfel gerne eine Erklärung für den weltweiten Handel mit Emissionsrechten hinbekommen, um die Klimaschutzziele schneller zu erreichen. Länder wie Russland und Amerika sind da aber sehr skeptisch. Auch China hätte einem globalen Geschäft mit Verschmutzungszertifikaten niemals zugestimmt, bei dem sie selber Emissionsobergrenzen hätten akzeptieren müssen. Statt dessen favorisieren gerade die Vereinigten Staaten einen Ansatz, der auf eine Verbesserung der Energieeffizienz ausgerichtet ist. Amerika und andere Länder werden mit diesem technologischen Ansatz sicher einen Teil der erforderlichen Reduktionen erzielen können. Auch Deutschland hat in diesem Bereich in den vergangenen Jahrzehnten bereits viel erreicht und arbeitet an weiteren Fortschritten. Wir meinen aber, dass wir mehr tun müssen, um die G8-Klimaschutzziele zu erreichen.

Haben die Amerikaner nicht Recht mit ihrer Kritik am Co2-Emissionshandel, weil er bisher gar nicht richtig funktioniert?

Wir sind ja erst am Anfang des Zertifikatehandels. Die Anfangsprobleme werden abgestellt, wenn die Zahl der Zertifikate reduziert wird und am Markt ein echter Preis für die Verschmutzungsrechte entstehen kann. Es bleibt dabei, dass Europa der Kontinent ist, der beim Klimaschutz am erfolgreichsten ist.

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