Interview mit George Bush
Bush: „Merkel nimmt Führungsrolle an“

Am heutigen Mittwoch tritt George W. Bush seinen Deutschland-Besuch an. Im Interview mit dem Handelsblatt lobt der US-Präsident die Außenpolitik der Kanzlerin, fordert einen neuen Energiemix und betont die Chancen bei den schwierigen Verhandlungen mit Iran und Nordkorea.

Herr Präsident, Ihr alter italienischer Verbündeter Silvio Berlusconi wurde abgewählt, und die Tage des britischen Premierministers Tony Blair sind gezählt. Ist Deutschland nun Ihr wichtigster Pfeiler in Europa?

Natürlich gab es zwischen Deutschland und Amerika Meinungsverschiedenheiten über den Irak-Krieg. Es wurde ja viel geschrieben über die Differenzen zwischen Bundeskanzler Gerhard Schröder und mir. Aber wir haben beide versucht, über die Irak-Frage hinaus zusammenzuarbeiten. Ich fand immer, dass das deutsch-amerikanische Verhältnis zu wichtig war. Vergessen wir nicht: Eine der ersten Entscheidungen, die ich nach dem 11. September getroffen habe, war der Angriff auf Afghanistan. Die Deutschen haben uns darin unterstützt.

Also kein Merkel-Bonus in den transatlantischen Beziehungen?

Angela Merkel hat ihr Amt zu einer Zeit angetreten, in der wir den Dissens über den Irak hinter uns gelassen haben. Wir schauen nun gemeinsam in die Zukunft. Ich freue mich sehr, sie am Donnerstag in Stralsund zu treffen. Ich habe das immer als großzügige Gastfreundschaft angesehen, wenn jemand sagt: Kommen Sie mich bitte in meiner Heimat besuchen. Seit Merkel Regierungschefin ist, habe ich oft mit ihr gesprochen. Deutschland spielt in Europa wie auf der globalen Ebene eine sehr wichtige Rolle. Die Kanzlerin nimmt diese Führungsrolle an, wofür ich ihr dankbar bin. Amerika braucht allerdings nicht nur gute Beziehungen zu Deutschland. Europa ist schließlich ein bedeutendes Handelszentrum – und ich hoffe, auch ein zentraler Partner bei der Verbreitung gemeinsamer Werte.

Das sehen nicht alle so. Der neue italienische Außenminister D’Alema hat gerade die „offensichtlichen Unterschiede“ zwischen seiner Regierung und den USA betont. Sind Sie enttäuscht?

Ich möchte mich zunächst beim italienischen Volk und der Vorgängerregierung für das Engagement im Irak bedanken. Die Italiener haben in schwierigsten Zeiten Wort gehalten. Die gegenwärtige Regierung ist dagegen mit dem Versprechen in den Wahlkampf gezogen, aus dem Irak abzuziehen. Dass sie nun ihre Ankündigung wahr macht, überrascht mich nicht. Dennoch werde ich auf dem bevorstehenden G8-Gipfel in St. Petersburg die Botschaft übermitteln, dass die Idee der Freiheit universell ist. Der Welt geht es besser, je mehr freie Gesellschaften es gibt. Wir hoffen, dass gestandene Rechtsstaaten jungen Demokratien unter die Arme greifen – in welcher Form auch immer. Natürlich gibt es nach wie vor Meinungsverschiedenheiten darüber, ob der Irak-Krieg richtig war. Aber wir bauen darauf, dass wir zusammen mit anderen Nationen der neuen irakischen Demokratie helfen können.

Wie würden Sie Ihr Verhältnis zum russischen Präsidenten Wladimir Putin beschreiben, dem Gastgeber des G8-Gipfels?

Meine Frau Laura und ich haben ein sehr freundschaftliches Verhältnis zu den Putins. Wir fühlen uns wohl bei ihnen. Ich habe in den letzten beiden Wochen oft mit Putin über eine Vielzahl von Themen geredet. Die Welt ist ja komplex: Einige neue Probleme zeichnen sich ab. Es war immer meine Linie, mich mit Freunden und Verbündeten abzustimmen, um schwierige Situationen zu lösen.

Europa bezieht 25 Prozent seines Bedarfs an Erdgas aus Russland. Im Falle von Deutschland ist es sogar mehr als ein Drittel. Hängt Europa bereits zu sehr am Tropf von Russland?

Es ist Aufgabe jedes Landes, seine eigenen Kriterien für Energiesicherheit aufzustellen. Die Bundesregierung muss entscheiden, ob es Sinn hat, ein Drittel des nationalen Energiebedarfs aus einer Quelle zu speisen.

Seite 1:

Bush: „Merkel nimmt Führungsrolle an“

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%