Interview mit Gregory Mankiw
„US-Wirtschaft hat Wende geschafft“

Der Wirtschaftsberater von Präsident Bush, Gregory Mankiw, sprach mit dem Handelsblatt über Aufschwung ohne Beschäftigungszuwachs, Haushaltslöcher und das China-Syndrom.

Mr. Mankiw, immer mehr Amerikaner kritisieren die Wirtschaftspolitik von US-Präsident George W. Bush. Fast drei Millionen Arbeitsplätze sind seit dem Amtsantritt des Präsidenten vor drei Jahren verloren gegangen. Was läuft schief?

Der Wirtschaft fällt es offensichtlich schwer, sich von der Rezession zu erholen. Wir haben eine ganze Reihe von Schocks erlitten: das Platzen der High-Tech-Blase, der Absturz der Börsen, die Terroranschläge, Wirtschaftsskandale. Das schwache Wachstum im Ausland – auch in Europa – belastet ebenfalls die US-Wirtschaft.

Wie wollen Sie die Trendwende schaffen?

Ich glaube, die US-Wirtschaft hat die Wende bereits geschafft. Wir erwarten im dritten Quartal ein robustes Wachstum. Private Ökonomen rechnen mit einem Plus von vier bis fünf Prozent.

Warum geht der Aufschwung am Arbeitsmarkt nahezu vorbei?

Es wäre natürlich besser, wenn die wirtschaftliche Erholung auch auf dem Arbeitsmarkt bereits sichtbar wäre. Aber die Beschäftigung hinkt der allgemeinen Konjunkturentwicklung traditionell ein Stück weit hinterher.

Wann rechnen Sie mit einem deutlichen Anstieg der Beschäftigung?

Die Verzögerung beträgt etwa drei bis sechs Monate. Ende des Jahres wird also auch der Arbeitsmarkt viel besser aussehen – und die Beschäftigung wird sich in 2004 weiter aufhellen. Ein Wirtschaftswachstum von vier Prozent ist genug, um die Arbeitslosigkeit nach unten zu bringen.

Wie wichtig sind die Steuersenkungen des Präsidenten für den Aufschwung?

Es ist immer schwer, die Wirkungen einer einzelnen Maßnahme von anderen Kräften zu trennen, die auf die Wirtschaft einwirken. Wenn man sich allerdings mit Hilfe ökonomischer Modelle anschaut, wie die Wirtschaft ohne Steuersenkungen aussähe, sieht man einen dramatischen Effekt.

Welchen?

Wir haben festgestellt, dass ohne die Steuersenkungen heute anderthalb Millionen Menschen weniger einen Arbeitsplatz hätten. Oder, um es anders zu formulieren: Das Bruttoinlandsprodukt wäre heute um rund zwei Prozent niedriger. Außerdem kann man davon ausgehen, dass die Wirtschaft die erwähnten Schocks weitaus schlechter weggesteckt hätte, wenn es die Steuersenkungen nicht gegeben hätte. So ist die Rezession sehr mild ausgefallen.

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