Interview mit Ibrahim Jazdi, erster Außenminister Irans nach der Revolution 1979
"Die Demokratie hat einen Erfolg zu verbuchen"

Ibrahim Jazdi war erster Außenminister Irans nach der Revolution 1979. Er ist heute Generalsekretär der Partei „Freiheitsbewegung“, die zum Reformlager zählt. Mit dem Handelsblatt sprach er über die Wahl zum iranischen Präsidenten. Jazdis eigene Kandidatur war vom Wächterrat abgelehnt worden.

Waren die Wahlen fair und korrekt?

Ich kann das heute nicht abschließend beurteilen. Aber was ich weiß, ist, dass Teile des Militärs und der paramilitärischen Organisationen deutlich Einfluss auf die Wahlen genommen haben. Sie haben Mahmud Ahmadinedschad, den Teheraner Bürgermeister, unterstützt und haben für diese Zwecke landesweit ihre Strukturen benutzt. Aus diesem Grund haben die Reformkandidaten Mustafa Moein und Mehdi Karrubi offen von einer schweren Verletzung der gesetzlichen Vorschriften gesprochen.

Sind Sie vom Wahlergebnis überrascht?

Ich bin vom Verhalten der militärischen Einheiten überrascht. Vor den Wahlen haben alle Befragungen signalisiert, dass Rafsandschani Nummer eins ist, Moein Nummer zwei und Mohammed Baker Kalibaf an dritter Stelle liegt. Dass Ahmadinedschad, der kaum bekannt ist, nun mit dem zweitbesten Ergebnis abschneidet, ist schon überraschend. Das hat eindeutig mit dem militärischen Faktor zu tun und der Tatsache, dass er der Vorzugskandidat des Wächterrats ist.

Gibt es noch andere Gründe für das gute Abschneiden von Ahmadinedschad?

Iran ist ein großes Land mit 70 Millionen Menschen. Aber wirklich beurteilen können Ahmadinedschad nur die Einwohner von Teheran, deren Bürgermeister er ist. Wie kann es sein, dass die Menschen überall im Land Ahmadinedschad, der zudem nur eine sehr bescheidene Kampagne geführt hatte, nun auf einmal so gut kennen und ihm ihre Stimme geben?

Was bedeutet das schlechte Abschneiden des Reformlagers?

Wir haben immer gesagt, dass die Teilnahme an den Wahlen gut ist für die Demokratie in Iran. Das heißt, dass es nicht alleine um unseren Gewinn der Wahlen geht. In dieser Hinsicht haben wir – bei einer Wahlbeteiligung von rund 63% – einen Erfolg zu verbuchen.

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