Interview mit Michael Schindhelm
„Das radikale Gesicht der Globalisierung“

Die Finanzkrise lässt auch Dubai nicht unberührt. Das Dubai International Financial Centre, wo Top-Banker in hektischen Schüben kommen und gehen, sei ein Seismograph für dieses grenzenlose Beben, sagt Michael Schindhelm. Im Interview mit dem Handelsblatt erzählt der Kulturchef des Emirats, wie die Kunst das Thema reflektiert.

Herr Schindhelm, Dubai löst in Deutschland eine bestimmte Assoziationskette aus: Burj Al Arab, Immobilien-Explosion, Staatsfonds. Was bedeutet die Stadt für Sie?

Schindhelm: Dubai erfüllt all diese Klischees und gleichzeitig auch nicht. Dubai ist natürlich ein einzigartiger Immobilien-Boom. Und dennoch gibt es den Versuch, im Schatten dieses Aufschwungs eine Gesellschaft aufzubauen, die nachhaltig ist, die Inhalte hat und eine ganz bestimmte Form von globaler Kultur etabliert.

Der Immobilien-Boom ist mittlerweile nicht mehr so einzigartig - manche befürchten gar einen Einbruch. Wie schlägt das auf das Leben hier durch?

Schindhelm: Die Leute reden darüber in den Restaurants und auf den Märkten. Auch die Kunst ist davon betroffen. Aber Not macht erfinderisch: Es ist eine besondere Herausforderung, Kreativität zu entwickeln, gerade wenn die Wirtschaft eben nicht immer nur steil nach oben geht.

Eine beispiellose Finanzkrise erschüttert die Welt. Spüren Sie das auch in Dubai?

Schindhelm: Selbstverständlich. Das Dubai International Financial Centre, wo Top-Banker in hektischen Schüben kommen und gehen, ist ein Seismograph für dieses grenzenlose Beben. Aber auch jenseits des Finanz-Zentrums wächst die Sorge: Die Leute machen sich Gedanken, wie sicher ihr Geld noch ist. Durchaus möglich, dass gewaltige Mengen an Kapital aus Amerika in den Nahen Osten umgeleitet werden - wie nach dem 11. September 2001. Dubai ist keineswegs immun gegen die Finanzkrise, sondern radikaler Ausdruck der Globalisierung.

Inwieweit wird das in der Kunst reflektiert?

Schindhelm: Sie können davon ausgehen, dass die Theater in Europa das Banken-Thema demnächst ironisch aufgreifen werden. In Dubai, wo sich die Kunst-Szene erst entwickelt, dauert das noch eine Weile. Immerhin gibt es - etwa in den Medien - eine öffentliche Auseinandersetzung, durchaus selbstkritisch.

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