Interview mit Niall Ferguson: USA auf dem Weg in die Isolation

Interview mit Niall Ferguson
USA auf dem Weg in die Isolation

Der renommierte Wirtschaftshistoriker Niall Ferguson fürchtet den Niedergang der USA – und ein globales Machtvakuum als Folge. Mit Präsident Obama geht er hart ins Gericht.
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Professor Ferguson, wieso brechen die USA unter ihren riesigen Schulden nicht zusammen, während Europa deswegen in einer Dauerkrise steckt?

Niall Ferguson: Es ist ein Unterschied, ob eine Supermacht mit fantastischen Rohstoffreserven hoch verschuldet ist oder ein zerstrittener Staatenbund mit einer katastrophalen Energiepolitik. Die Bilanz der Regierung in Washington ist ein Debakel, aber die Aussichten der Vereinigten Staaten sind wegen der Schiefergasvorkommen hervorragend. Hinzu kommt der kaum einholbare Vorsprung Amerikas in vielen Technologiefeldern. Die USA sind so stark, dass sie sich problemlos mit 150 Prozent des Bruttoinlandsproduktes verschulden könnten.

Der Kongress verdonnerte die Regierung 2011 per Gesetz zu harten Einschnitten, sobald das Haushaltsdefizit eine bestimmte Grenze übersteigt, die Fiskalklippe. Ist das denn nötig, wo sich die USA so leicht refinanzieren können?

Radikale Sparpakete wären in diesem Jahr das Schlimmste, was passieren kann. Denn die Wirtschaft erholt sich nur langsam. Wie man bei den letzten BIP-Zahlen gesehen hat, haben Kürzungen im Verteidigungshaushalt großen Einfluss auf das Wachstum. Budgetkürzungen, wie sie das Gesetz zur Fiskalklippe vorsieht, bleiben eine Bedrohung für die US-Konjunktur.

Was halten Sie von dem Sparpaket, auf das sich der Kongress Anfang Januar verständigt hat. Ist der US-Haushaltsstreit mit diesem Kompromiss beigelegt?

Die Amerikaner kaufen sich damit Zeit. Das haben sie von den Europäern gelernt. Bis zum 1. März muss der Kongress entscheiden, ob er die Schuldenobergrenze von 16,4 Billionen Dollar erhöhen will, oder zwangsweise ein Sparpaket kommt. Das ist Amerikas D-Day, der Tag der Entscheidung.

Wie würden Sie entscheiden?

Wenn ich Präsident der USA wäre, würde ich Haushaltskürzungen in großem Stil so lange wie möglich verhindern. Ich glaube aber nicht, dass Obama das schafft. Er wird den Republikanern mit Kürzungen entgegenkommen müssen, da er die Reichensteuer durchgesetzt hat.

Was die Lösung des Problems auf die lange Bank schiebt. Aber eines Tages wird selbst Amerika seinen Schuldenberg ernsthaft abtragen müssen...

Das ist richtig. Obama muss einen glaubwürdigen Fahrplan zum Abbau der Schulden und letztlich für einen ausgeglichenen Haushalt für die nächsten zehn Jahre vorlegen. Darauf warten wir immer noch. Obama müsste nur sagen: Wir wollen die Erholung nicht durch Ausgabenkürzungen abwürgen, aber wir wollen auch keine unglaubwürdige Haushaltspolitik.

Kommentare zu " Interview mit Niall Ferguson: USA auf dem Weg in die Isolation"

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  • Obamas Priorität ist die Innenpolitik. Er hat sich nie wirklich für globale Themen interessiert. Er fühlt sich auf internationalem Parkett nicht wohl.
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    Das ist der alles entscheidende Satz.
    Obama hat irgendwie ein gestörtes Verhältnis sowohl zu Amrika und auch Europa.
    Man merkt eben doch, dass er kein wirklicher Amerikaner ist. Und ihm fehlt jedes Wissen übr die Welt.
    Er hat nie über den Tellerrand geschaut.
    Und es interessiert ihn auch nicht und das ist das eigentlich Schlimme

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