Interview mit Nouri Jouini
Tunesien will Investoren locken

Handelsblatt-Redakteur Christoph Rabe sprach mit Nouri Jouini, Tunesiens Minister für Entwicklung und internationale Zusammenarbeit, über das Reformtempo seines Landes, wirtschaftliche Perspektiven und die Folgen des Terrorismus.

Der Wettbewerb um ausländische Investoren wird härter. Was spricht für Tunesien?

Tunesien verfügt zwar nicht über einen großen Binnenmarkt und wir haben nur wenige natürliche Ressourcen. Aber wir haben die strategische Entscheidung getroffen, uns in den europäischen Wirtschaftsraum zu integrieren. Wir werden diesen Prozess systematisch fortsetzen. Zweitens verfügen wir über gut qualifizierte Arbeitskräfte zu niedrigen Löhnen. Am wichtigsten aber ist, dass wir Investoren langfristig stabile Rahmenbedingungen bieten.

Befürchten Sie negative Auswirkungen auf den Standort Tunesien durch die EU-Erweiterung?

Wir haben uns dem Druck der Märkte längst gestellt. Der Abbau von Zöllen hat zwar große Belastungen für den tunesischen Haushalt verursacht und die 25 EU-Mitglieder setzen uns einem intensiveren Wettbewerb aus. Sie verschaffen uns aber auch neue Exportchancen. Das ist für ein Land, das 45% seines Bruttoinlandsprodukts aus Exporten erwirtschaftet, besonders wichtig.

Müssen Sie das Reformtempo nicht steigern?

Wer will das nicht? Aber Reformen haben Nebenwirkungen. Und angesichts begrenzter Mittel können wir uns ein überhöhtes Tempo nicht leisten. Schließlich wollen nicht eines Tages wieder soziale Einschränkungen vornehmen müssen.

Welche Reformen haben Vorrang?

Makroökonomische Stabilität und Entwicklung des Geschäftsklimas. Abbau von Schulden, Begrenzung der Inflation, Öffnung des Bankensektors, besseren Service durch die öffentlichen Verwaltung. Damit wollen wir die Grundlage für eine bessere Wettbewerbsfähigkeit legen.

Ausländische Investoren beklagen undurchsichtige Entscheidungsverfahren und zuviel Bürokratie.

Niemand wird behaupten, dass wir perfekt sind. Das unterstreicht die Notwendigkeit der Reformen. Aber wir hören auch von ausländischen Unternehmen, dass die Zahl der Klagen zurückgeht.

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