Interview mit Präsident Lula
Wie Brasilien um deutsche Investoren wirbt

Quo vadis Brasilien? Im Interview gibt der Präsident Luiz Inacio Lula Da Silva spannende Antworten. In 15 Jahren könne sein Land eine Wirtschaftsmacht sein, sagt Lula. Im Gespräch äußert sich der Präsident außerdem zu massiv gestiegenen Rüstungsausgaben, Konflikte mit Bolivien und Ecuador und deutsche Gewerkschaften.

Herr Präsident, welche Beziehung haben Sie zu Deutschland?

Mein Verhältnis zu Deutschland ist fast ein emotionales. Als Gewerkschaftsführer in den achtziger Jahren hatte ich viel mit den deutschen Gewerkschaften zu tun. Deren Solidarität war wichtig, als mir unter den Militärs meine politischen Rechte aberkannt wurden. Wir haben viel von der deutschen Gewerkschaftsbewegung gelernt. Auch mit der SPD und der Friedrich-Ebert-Stiftung hatten wir enge Beziehungen. Der erste Staatsmann, den ich überhaupt getroffen habe, war Helmut Schmidt. Als er 1975 auf Brasilien-Visite war, wollten die Militärs verhindern, dass er mich empfängt. Aber Schmidt hat darauf bestanden.

Deutschland und Brasilien sind 2008 eine strategische Partnerschaft eingegangen. Wie kann die ausgebaut werden?

Möglicherweise ist Brasilien das Land mit der stärksten deutschen Industriepräsenz außerhalb Deutschlands. Deutschland könnte viel mehr von Brasilien profitieren: Wir haben eine stabile Politik und Wirtschaft. Die Inflation ist unter Kontrolle. Wir besitzen internationale Glaubwürdigkeit und betreiben große Energie- und Infrastrukturprojekte. Die brasilianischen Tochterunternehmen der deutschen Konzerne haben in der Krise weniger gelitten als ihre Mutterhäuser. Jetzt sollten Deutschlands Investoren Brasilien neu für sich entdecken.

Auf welchen Gebieten besonders?

Deutsche Unternehmen sollten den Standort Brasilien nutzen, um neue Märkte an der Peripherie des Weltmarkts zu beliefern, etwa Afrika und Lateinamerika. Wir könnten bei der Entwicklung von Biotreibstoffen zusammenarbeiten – ohne dabei der Lebensmittelproduktion in die Quere zu kommen. So wie zum Beispiel Bosch, das eines der wichtigsten Bausteine unserer Flex-Fuel-Technik für den gemischten Einsatz von Ethanol und Benzin geliefert hat.

Goldman Sachs hat 2003 Brasilien mit Russland, Indien und China zur Wachstumsgruppe Bric zusammengefasst. Hat Sie das überrascht?

Nein, überhaupt nicht. Aber das ist uns nicht in den Schoß gefallen. Wir haben bei meinem Amtsantritt einen der stärksten Budgeteinschnitte vorgenommen, den je ein Staat weltweit gemacht hat. Das konnte ich durchsetzen, weil ich politisches Kapital besaß. Dank dieser Haushaltssanierung haben wir ab 2004 die Grundlage für anhaltendes Wachstum geschaffen.

Kann Brasilien eine echte Weltwirtschaftsmacht werden?

Das wird noch dauern. 15, 20 Jahre vielleicht. Aber daran arbeite ich mit voller Kraft. Erstmals existieren die Voraussetzungen dafür, dass es funktionieren kann. Brasilien muss aber aufpassen, dass es nicht die Fehler der Vergangenheit wiederholt. Es kann nicht alleine wachsen und die armen Länder nebenan vergessen. Denn nur wenn Südamerika mitwächst, entsteht dieses außerordentliche Potenzial.

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