Interview mit Prinz Max von und zu Liechtenstein
Der Prinz von und zu Liechtenstein und die Steuer

Kann sich Liechtenstein nach der Steueraffäre dem politischen Druck dauerhaft entziehen? Prinz Max von und zu Liechtenstein spricht im Handelsblatt-Interview über den Fall Zumwinkel, das Bankgeheimnis und den Steuerstreit mit Deutschland.

Handelsblatt: Durchlaucht, reisen Sie nach der Einigung im Steuerstreit mit den USA wieder unbeschwert nach Amerika?

Prinz Max: Ich habe dieses Jahr meine Sommerferien in Southampton auf Long Island verbracht.

Ohne ein mulmiges Gefühl, dass Sie verhaftet werden könnten?

Ja, ohne ein mulmiges Gefühl. Bei der LGT haben wir im Wealth Management den US-Markt nie aktiv bearbeitet.

Jetzt, wo Liechtenstein mit den USA den Informationsaustausch in Steuerfragen erweitern will, kann auch Deutschland darauf hoffen, dass die Steuersünder vom Fürstentum beim Namen genannt werden?

Wir sind froh, dass wir das US-Abkommen abgeschlossen haben. Damit haben wir eine geregelte Vertragsbasis und Zugang zu amerikanischen Wertschriften für unsere Kunden. Ob man das als Modell für die EU nehmen kann, ist aber fraglich. Mit der EU-Kommission haben wir gute Fortschritte erzielt. Jetzt hängt es an den Mitgliedsländern, die untereinander auch unterschiedliche Auffassungen über den Schutz der Privatsphäre haben.

Glauben Sie wirklich, dass Liechtenstein sich dem politischen Druck zu einem automatischen Informationsaustausch dauerhaft entziehen kann?

Ich weiß, dass die Diskussionen mit der EU sehr schwierig sind. Es ist aber unfair, Liechtenstein alle Probleme in die Schuhe zu schieben. Dass es in der EU mit einem Steuerabkommen nicht vorangeht, liegt primär nicht an Liechtenstein.

Wird durch den Informationsaustausch mit den USA nicht das Bankgeheimnis ausgehebelt?

Nein. Wir wollen für unsere Bürger den Schutz der Privatsphäre so weit wie möglich erhalten. Andere Staaten sehen das anders und versuchen, ihre Vorstellungen global durchzusetzen. Mit den USA haben wir nun eine für beide Seiten praktikable Lösung gefunden.

In Liechtenstein bleibt also alles, wie es ist?

Probleme entstehen immer dann, wenn man grenzüberschreitend tätig ist. Dann gibt es auch bei uns Anpassungsbedarf, weil wir natürlich mit unseren Nachbarländern in einem guten Klima leben wollen. Das ist gerade für ein Land wie Liechtenstein wichtig, das sehr stark international orientiert ist.

Sind Sie dafür bereit, anderen Staaten automatisch sensible Bankdaten zur Verfügung zu stellen?

Das Abkommen mit den USA bedeutet nicht, dass Amerikaner jetzt in unseren IT-Räumen herumstöbern können. Sie erhalten Zugang zu Informationen, wenn ein spezifischer, begründeter Verdacht auf ein Steuerdelikt besteht.

Wird dabei auch weiterhin zwischen Steuerhinterziehung und Steuerbetrug unterschieden?

Nein. Die Amerikaner erhalten Informationen, wenn sie eine begründete Anfrage vorlegen und zu Hause ihre Hausaufgaben gemacht haben.

Was meinen Sie damit?

Es kann nicht sein, dass sie zu uns kommen, bevor sie zu Hause alle Möglichkeiten ausgeschöpft haben. Ein automatischer Datenaustausch ist nicht vorgesehen.

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