Interview mit Serbiens Vize-Regierungschef Bozidar Djelic
„Die Büchse der Pandora darf nicht geöffnet werden“

Serbiens Vize-Regierungschef Bozidar Djelic (42), Mitglied der reformorientierten Demokratischen Partei von Präsident Boris Tadic kündigt im Handelsblatt-Interview gewaltige Chancen für deutsche Investoren an – trotz der schwierigen Kosovo-Streitfrage. Er erklärt Serbiens Position, setzt auf Kompromisse, erläutert die serbische Haltung zu Russland – und warum RWE, Eon, Siemens, Lufthansa, Stada und Henkel ihr Herz für Serbien entdecken.

Handelsblatt.com: Die ungeklärte Kosovo-Frage belastet Serbien. Wie sieht es da mit der serbischen Wirtschaft aus?

Bozidar Djelic: In diesem Jahr erwarten wir ein Wirtschaftswachstum von sieben bis 7,5 Prozent und das kommt nach einer Periode seit dem Sturz von Milosevic 2000, in der unsere Ökonomie durchschnittlich um 5,3 Prozent zulegte. Und auch bei Auslandsinvestitionen wachsen wir stark: In diesem Jahr erwarten wir zwischen 2,5 und drei Mrd. Dollar allein für Greenfield-Investitionen, also ohne Privatisierungserlöse. Letztes Jahr hatten wir sogar 4,3 Mrd. Dollar ausländische Direktinvestitionen, allerdings auch dank des Verkaufs eines Mobilfunkers. Wir erwarten in den kommenden Jahren Wachstumsraten zwischen sechs und sieben Prozent sowie ausländischen Direktinvestitionen von jeweils über drei Mrd. Dollar.

Aber die Privatisierungen waren monatelang gestoppt. Warum?

Wir hatten sechs Monate Pause bei Privatisierungen zwischen Ankündigung der Neuwahl und der Regierungsbildung. Aber das ist richtig so, denn scheidende Kabinette sollen nicht noch schnell Unternehmen verkaufen.

Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass die regierenden Parteien sich die Geschäftsführung und die Aufsichtsräte der staatlichen Unternehmen aufgeteilt haben. Was soll das?

Dass Parteien Unternehmen kontrollieren, muss bald Vergangenheit sein. Auch beim Staat verbleibende Konzerne sollen nicht mehr irgendwelchen politischen Änderungen ausgesetzt sein.

Und wie geht es dann weiter in Sachen Privatisierung?

Die Privatisierung soll Ende 2008 vollständig abgeschlossen sein. Dazu werden jetzt pro Monat zwischen 80 und 100 Unternehmen verkauft. Haben gerade für 360 Mill. Euro eine große bankrotte Kaufhaus-Kette verkauft an eine serbisch-griechische Investorengruppe. Und solche Deals werden folgen. Zudem bereiten wir Ausschreibungen zum Verkauf unserer großen Konzerne vor wie die Airline JAT, den Versicherer DDOR, das Transportunternehmen Lasta, den Ölkonzern Nis, einen Börsengang für unseren Telekomkonzern Telecom Srbija. Hinzu kommt, dass Serbiens Stromriese Eps bis Jahresende zwei Tender ausschreiben wird für je 700 MW Kapazität umfassende Kraftwerke, die dann auf Basis von Joint ventures betrieben werden sollen. Daran gibt es signifikantes Interesse deutscher Versorger wie RWE, Eon und EnBW.

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