Interview mit Tito Boeri
„Berlusconis Äußerungen sind verantwortungslos"

Berlusconis Äußerungen zur Wirtschaftslage des Landes sind purer Populismus, sagt der italienische Top-Ökonom Tito Boeri. Im Interview mit dem Handelsblatt spricht er über die Wahlrechtsreform und Italiens Zukunft.
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Handelsblatt Online: Die Märkte haben panisch auf das Comeback von Silvio Berlusconi und den Rücktritt von Mario Monti reagiert. Ist das gerechtfertigt?

Tito Boeri: Die Sorgen wegen des Rücktritts von Mario Monti, der mit seiner persönlichen Glaubwürdigkeit und seinen Reformen das Vertrauen in das Land wiederhergestellt hat, sind sicherlich gerechtfertigt. Die Märkte waren ja schon vorher besorgt, was nach Monti kommt. Das ist jetzt noch beschleunigt und hat durch Berlusconi eine populistische Wendung bekommen. Aber wenn man sich die Lage genau anschaut, gibt es auch durchaus positive Aspekte.

Und die wären?

Erstens wird der Wahlkampf um eineinhalb Monate verkürzt und das kann in dieser Lage nur positiv sein. Zweitens hat die Regierung in dieser Phase ohnehin kaum mehr Handlungsspielraum gehabt. Auch den von Monti vorgelegten Haushalt hat das Parlament komplett verändert. Eineinhalb Monate weniger Regierungszeit macht daher keinen großen Unterschied. Drittens werden wir zwar kein neues, aber damit auch kein schlechteres Wahlrecht haben, weil sich die Beteiligten nicht mehr auf eine Reform einigen werden.

Wozu wird denn das aktuelle Wahlrecht führen?

Wir werden in der Abgeordnetenkammer eine klare Mehrheit haben – den Umfragen zufolge wohl aus dem Mitte-Links-Spektrum von Pierluigi Bersani. Aber im Senat werden wir ein Monti-freundliches Zentrum haben, das die allzu linken Strömungen in der Kammer ausgleichen kann. Vor allem werden wir endlich wieder eine Regierung haben, die durch Wahlen legitimiert ist und handeln kann.

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„Ich glaube nicht, dass Berlusconi zurückkehrt"

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  • Bunga Bunga Berli!
    Wenn die Aussage richtig ist "Ein Volk hat immer die Regierung, die es verdient", dann hatten die Italiener in der Zeit von Berliscona wohl nichts gutes verdient, sondern konnten den Sumpf mafiöser Strukturen genießen.
    In Amt und Würde sollten Regierungsmitglieder stehen, bei Berlisconi fehlte die Würde und wurde durch Schlechtigkeit ersetzt. Wenn die Italiener eine Person, die mit dem Vervielfälltigungsgerät in der Hand regiert noch einmal wählt, dann wird mit Angst um dieses Volk.

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