Interview mit Tom Enders: „Eine 'Buy american'-Klausel lässt bei mir Alarmglocken läuten“

Interview mit Tom Enders
„Eine 'Buy american'-Klausel lässt bei mir Alarmglocken läuten“

Airbus-Chef Tom Enders befürchtet, dass der neue US-Präsident Barack Obama in der Wirtschaftspolitik "protektionistischen Versuchungen" nachgeben könnte. Er fordert stattdessen den verstärkten Abbau von Handelshemmnissen. Die Wirtschaft brauche gerade jetzt Zusammenarbeit und offene Märkte.

Was erwarten Sie vom neuen US-Präsidenten Barack Obama?

Ich erwarte, dass sich das Verhältnis der USA zu Europa entspannt. Kooperation ist das Gebot der Stunde. Allerdings darf man nicht verkennen, dass sich der amerikanische Präsident zunächst einmal der Wirtschafts-, Finanz- und Innenpolitik widmen wird. Außenpolitik wird sicher nicht die erste Priorität haben.

Wo sehen Sie Themen, bei denen man zusammenarbeiten muss?

Eine verstärkte Zusammenarbeit ist nötig bei Themen der Weltwirtschaft, aber auch dem Umwelt- und Klimaschutz. Außenpolitisch geht es etwa um die Beziehungen zu Russland, Iran, Indien und Afghanistan. Wichtig ist dabei, dass von uns Europäern nicht Vorträge, sondern Beiträge erwartet werden. Die USA werden sehr viel fordernder auftreten. Die Frage ist: Kann Europa liefern?

Bei jedem neuen US-Präsidenten taucht in Europa die Sorge auf, Washington werde verstärkt nach Asien blicken.

Wirtschaftlich gesehen, ist die transatlantische Gemeinschaft immer noch die wichtigste der Welt. Deshalb ist die von der Wirtschaft 2007 mit angestoßene transatlantische Initiative zum Abbau von Handelshemmnissen so wichtig. Ich würde es begrüßen, wenn diese Initiative jetzt von beiden Seiten verstärkt betrieben würde. Die vielen kleinen Handelshemmnisse abzubauen ist mühsam. Aber für die Wirtschaft steckt darin ein großes Potenzial.

Teilen Sie die Sorge vor einer zu stark interventionistischen Wirtschaftspolitik Obamas?

Diese Sorge teile ich. Überall gibt es gerade in Krisenzeiten protektionistische Versuchungen. Wenn etwa diskutiert wird, ob in das US-Rettungspaket für die Industrie eine „Buy american“-Klausel eingebaut wird, läuten bei mir die Alarmglocken. Wir brauchen gerade jetzt Zusammenarbeit und offene Märkte – also das Gegenteil von Protektionismus.

Sehen Sie die Gefahr von Wettbewerbsverzerrungen durch eine massive US-Hilfe für Firmen?

Als Airbus-Chef sage ich Ihnen, dass das ein altes Problem ist. Auch bei den riesigen Subventionen etwa für die US-Automobilindustrie sind Wettbewerbszerrungen nicht auszuschließen, zumal wenn ausländische Hersteller, die in den USA produzieren, davon ausgegrenzt werden sollten. Der WTO-Streit über Subventionen in der Luftfahrtindustrie erscheint vor dem Hintergrund der Summen in der Finanzkrise fast schon lächerlich.

Ist eine Lösung deshalb einfacher?

Ja, hoffentlich erkennen dies beide Seiten. Es gibt so viele Themen, die Amerikaner und Europäer gemeinsam anpacken müssen. Da lohnt es nicht, sich in WTO-Verfahren wie diesem zu zerstreiten. Wir sollten uns auf gemeinsamen Fortschritt fokussieren. Klima-, Technologie- und Umweltpolitik, Wirtschafts- und Sicherheitsfragen – da gibt es genug zu tun.

Wo sehen Sie die heutige Rolle der Think Tanks?

Wir wollen gerade auch die wirtschaftlichen Kontakte pflegen. Dazu müssen persönliche transatlantische Netzwerke gepflegt und neue aufgebaut werden. Hier sieht die Atlantikbrücke ihre primäre Aufgabe.

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