Interview mit Tourismusminister Isaac Herzog
Israel will Angriffe auf Hisbollah fortsetzen

Die israelische Regierung hat den amerikanisch-französischen Entwurf für eine Libanon-Resolution begrüßt, hält aber vorerst an den Angriffen auf die Hisbollah fest. „Uns bleiben die kommenden Tage für zahlreiche militärische Schritte", sagte Tourismusminister Isaac Herzog dem Handelsblatt. Er forderte eine starke internationale Friedenstruppe, um einen künftigen Waffenstillstand abzusichern.

Herr Herzog, stimmt sie der Resolutionsentwurf optimistisch?

Es handelt sich dabei im Prinzip um eine sehr wichtige Entwicklung. Es gibt aber Vorbehalte, unter anderem von russischen und katarischen Diplomaten.

Auch im Libanon ist man nicht begeistert.

Es sieht so aus, als ob die Iraner hinter den Kulissen gegen die Resolution Lobby betreiben.

Sollten die Vorbehalte überwunden werden: Kehrt dann Ruhe ein?

Wichtig wird vor allem der Teil der Resolution sein, der sich mit der multinationalen Truppe beschäftigt, die in der zweiten Phase ins Spiel kommt. Die Stärke und die Fähigkeiten der Truppe sind von größter Bedeutung. Zudem ist uns wichtig, dass die internationale Gemeinschaft Israel unterstützt. Denn die Resolution gibt uns das Recht zurückzuschlagen, wenn wir von der Hisbollah angegriffen werden. Schließlich muss absolut klar sein, dass sich alle Partner an die Resolution halten müssen.

Wird sich denn Israel daran halten?

Uns bleiben die kommenden Tage für zahlreiche militärische Schritte. Aber wir müssen einsehen, dass der Zeitplan kürzer wird.

Sollte man nicht auch mit der libanesischen Regierung verhandeln?

Sicher, das haben wir schon immer gesagt. Wir haben mit dem Libanon ja keine territorialen Konflikte. Aber die Libanesen und deren Regierung müssen sich entscheiden: Wollen sie es zulassen, dass eine feindliche Kraft wie die Hisbollah das Land regiert und seine Sicherheitspolitik beeinflusst? Falls das so ist, hat die Regierung keine Legitimität. Diese hat die Regierung nur, falls sie ihre Autorität so konsequent durchsetzt, wie man das von einer Regierung erwartet.

Riskiert die libanesische Regierung nicht einen Bürgerkrieg, wenn sie die Hisbollah entwaffnet?

Die libanesische Armee ist ja die Armee eines souveränen Staates. Wenn sie gegen die Hisbollah vorgeht, muss das deshalb nicht zu einem Bürgerkrieg führen.

Wie könnte man die syrische Regierung in die Lösung des Konflikts involvieren?

Das ist ein sehr kompliziertes Problem. Sie unterstützt zwei der gefährlichsten Terrororganisation, nämlich die Hisbollah und die Hamas. Man sollte Syrien mit der Methode Zuckerbrot und Peitsche behandeln. Die internationale Gemeinschaft sollte Syrien mit Sanktionen bestrafen, falls sie Terrorgruppen unterstützt, oder mit ökonomischer Zusammenarbeit belohnen, falls sie gegen Terrororganisationen vorgeht.

Der ehemalige Mossadchef Efraim Halevy meint, Israel müsse auch mit Teheran verhandeln.

Das würde nirgends hinführen. Der Iran betrügt die Welt, auch die EU, mit seinem Nuklearprogramm. Die inernationale Gemeinschaft sollte Iran viel härter anfassen.

Die militärischen Erfolge Israels sind bisher nicht überzeugend. Kritiker in ihrem Land befürchten bereits, dass Israel sein Abschreckungspotential verlieren könnte.

Man muss unterscheiden. Wir haben der Hisbollah massive Schläge zugefügt. Die Tatsache, dass Herr Nasrallah sich 30 Meter unter der Erde in einem Bunker versteckt, bedeutet nicht, dass er gewonnen hat. Ihm sind bloß Tausende von Raketen geblieben, die über das ganze Land verteilt sind. Das braucht Zeit, um sie alle zu zerstören. Sie sind versteckt, in Häusern, Bunkern, Gräben, sogar in Moscheen. Der moderne Krieg gegen Guerilla ist kompliziert. Reguläre Armeen operieren innerhalb der Grenzen des internationale Rechts, während Terrororganisationen Zivilisten als menschliche Schutzschilde benützen.

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