Interview mit Volker Perthes
„Die Repressionen werden stärker werden“

Der Direktor der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin, Volker Perthes, erwartet nach der umstrittenen Präsidentschaftswahl in Iran lange innenpolitische Auseinandersetzungen. International hält der Nahostexperte eine Annäherung an den Westen für möglich: „Ahmadinedschad will den Dialog mit den USA.“

Herr Perthes: Ist die Wahl gefälscht?

Volker Perthes: Nein, so viele Stimmen können sie nicht fälschen. Die Manipulation hat vorher stattgefunden. Man hat die elektronischen Medien beherrscht und sich mit Staatsgeld Sympathie erkauft.

Gibt es lange Unruhen?

Nein, das glaube ich nicht, wenngleich die Auseinandersetzungen noch lange andauern werden.

Fällt die positive Antwort Irans auf die ausgestreckte Hand von US-Präsident Obama aus?

Innenpolitisch werden die Repressionen wieder stärker werden. International ist die Sache offen: Ahmadinedschad will den Dialog mit den USA. Wenn man Punkte der Zusammenarbeit findet, kann er damit vorankommen. Das kann Afghanistan sein oder ein Einfrieren des Nuklearprogramms. Im Gegenzug müssten die USA auf neue Sanktionen verzichten. Darüber wird intensiv nachgedacht.

Warum solllte Iran sich darauf einlassen?

Bei einem Kompromiss hat Ahmadinedschad die Chance die zustimmung der USA zur Urananreicherung zu erreichen. Andererseits weiss er, dass beim jetzigen Ölpreis Sanktionen dem Land weh tun und seine Politik der Sozialgeschenke erschwert.

Was kann Deutschland tun?

Wir spielen nach wie vor eine Rolle bei den Sechser-Gesprächen und könnnen durch stillle Diplomatie dazu beitragen, die Gespräche zwischen USA und Iran voranzubringen.

Wird Israel ungeachtet aller diplomatischen Bemühungen militärisch zuschlagen?

Sie warten ab, ob es eine politische Lösung gibt. Aber sie werden nicht ewig warten und notfalls versuchen, militärisch eine iranische Bombe zu stoppen.

Thomas Hanke
Thomas Hanke
Handelsblatt / Korrespondent in Paris
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