Interview mit Wladimir Putin
„Europa bastelt am Bild des russischen Bären“

Russlands Regierungschef Wladimir Putin lobt die Entscheidung von General Motors, den Zuschlag für Opel an Magna und die russische Sberbank zu geben. Im Interview spricht er außerdem über ausländische Fehleinschätzungen der Moskauer Politik, den Streit um Öl-Pipelines und ob er 2012 wieder zur Präsidentenwahl antretten wird.

Handelsblatt: Herr Premierminister, wie bewerten Sie die Grundsatzentscheidung von General Motors für den Einstieg von Magna und der russischen Sberbank bei Opel?

Wladimir Putin: Der Einstieg ist sicher kein globales Ereignis, aber eine positive Entwicklung. Immerhin kann er der erste Schritt zu einer wirklichen Integration der europäischen Wirtschaft sein.

Aber es hat Vorbehalte gegeben.

Die Wirtschaftskrise hat die Ineffizienz im Management einiger Unternehmen gezeigt, etwa bei General Motors. Ich bin der Führung von GM dankbar, dass sie die Situation objektiv analysiert und dann die richtigen Entscheidungen getroffen hat. Jetzt haben sie sehr strikte Regeln für die 55-Prozent-Beteiligung von Magna und der Sberbank festgelegt. Die russische Entscheidung für Magna basierte auf der Überlegung, welche sozialen und ökonomischen Konsequenzen sich daraus für das Unternehmen nach der Wirtschaftskrise ergeben.

Und wie sehen die aus?

Magna hat klare Pläne vorgelegt, wie möglichst viele Arbeitsplätze in Deutschland gesichert werden können. Daran haben die russische Regierung, die Bundesregierung um Kanzlerin Angela Merkel und die Gewerkschaften intensiv gearbeitet. Es hat enge Kontakte gegeben. Auch ich habe mich mit Vertretern der IG Metall in meiner Residenz getroffen. Gemeinsam haben alle analysiert, was für sie akzeptabel ist und was nicht. Das jetzige Ergebnis ist das Resultat dieser Anstrengungen der russischen Regierung, der deutschen Regierung und der Gewerkschaften. Das eng abgestimmte Vorgehen könnte ein Vorbild für andere Projekte sein. Noch einmal: Opel könnte der erste Schritt zu einer wirklichen Integration der europäischen Wirtschaft sein.

Was heißt das für die deutsch-russischen Beziehungen?

Viele Dinge haben sich geändert, auch in Osteuropa. Wir sind mittlerweile davon überzeugt: Viele Probleme lassen sich besser lösen, wenn wir zusammenarbeiten. Dazu brauchen wir stabile politische und wirtschaftliche Beziehungen. Aber sicher ist Deutschland einer unserer wichtigsten Partner in der Welt. Die Exporte nach Russland sichern in Deutschland Hunderttausende Arbeitsplätze.

Wo gibt es denn weitere Kooperationsmöglichkeiten? Der versuchte russische Einstieg bei dem Konzern EADS ist ja wegen der strategischen Bedeutung der Militärprojekte in Deutschland und Frankreich auf Vorbehalte gestoßen.

Aber warum eigentlich? Anders als die Europäer sehen wir die Zusammenarbeit auch in der Militärtechnologie nicht als Problem. Wir arbeiten doch auch mit Israel oder Indien an gemeinsamen Projekten, etwa Aufklärungsflugzeugen. Falls die Europäer das nicht möchten, ist es ihre Sache – aber verstehen tu ich es nicht. Ein Beispiel: Wir haben das Flugabwehrsystem S300, das zu den besten der Welt gehört. Jetzt sprechen wir bereits über die nächste Generation, die S400. Auch hier könnten wir kooperieren. Wir sind dabei wegen des technologischen Vorsprungs in einer besseren Position – und bieten dennoch eine Zusammenarbeit an.

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