Interview: Unicredit zieht Staatshilfen in Betracht

Interview
Unicredit zieht Staatshilfen in Betracht

Alessandro Profumo, Chef der italienischen Bank Unicredit, erwägt, den Staat um Hilfe zu bitten. Dem Handelsblatt sagte Profumo, das Problem sei, dass der Wettbwerb zwischen den Banken durch die Staatshilfen sehr ungleich geworden sei.

Herr Profumo, die Unicredit hat sich als "European Player" profiliert. Die Krise zwingt viele Banken jedoch dazu, sich auf ihre Heimatmärkte zu konzentrieren. Ist Ihre Strategie nicht mehr zeitgemäß?

Nein, das sehe ich nicht so. Es gibt klare Signale auch aus der Politik, die den Wert unserer internationalen Strategie bestätigen. Zum Beispiel die Bemühungen, eine einheitliche Bankenaufsicht auf europäischer Ebene zu schaffen. Außerdem ist es auch in der Krise richtig, seine Risiken zu diversifizieren und Skalenerträge zu nutzen. Ich bin davon überzeugt, dass eine europäische Bank eine Zukunft hat.

Aber ihre Diversifikation nach Zentral- und Osteuropa hat ihnen doch vor allem mehr Risiken eingebracht?

Unser größtes Risiko ist, dass einer der osteuropäischen Staaten bankrott geht. Das könnte am ehesten die Ukraine treffen. Doch dazu wird es nicht kommen. Ein Staatsbankrott würde politisch nicht toleriert.

Ein Blick auf den Aktienkurs von Unicredit zeigt, dass die Aktionäre Ihre Strategie nicht mehr unterstützen. Kann das gut gehen?

Wir denken nicht daran, uns jetzt aus eines der Länder zu verabschieden. Die Preise sind viel zu niedrig. Außerdem würde es min-destens neun Monate dauern.

Wie wollen Sie die dortigen Kreditrisiken in den Griff bekommen?

Der Massenmarkt für Privatkunden (Retail Banking) ist überall ein Albtraum. Und auch das Geschäft mit kleinen und mittleren Unternehmen ist nicht besonders profitabel. Das Hauptproblem jedoch sind die Firmenkredite. Nicht in Deutschland. Dort sieht es noch am besten aus. Richtig gut läuft das Geschäft nur mit den vermögenden Privatkunden. Wir müssen unser Geschäftsmodell also darauf ausrichten.

Sonst bleibt alles beim alten?

Es ist keine gute Idee, in Krisenzeiten langfristig die strategischen Weichen neu zu stellen. In Deutschland wird es keine Verände-rungen geben. In anderen Ländern, die nicht dem Euro-Raum angehören, stellen sich jedoch Fragen für unsere zukünftige Strategie.

Sie wollen Ihre Kernkapitalquote auf 6,7 Prozent anheben. Reicht das aus?

Es reicht für normale Zeiten. Wir können jedoch für unvorhersehbare Ereignisse ein Kapitalpolster gebrauchen. Dafür muss man den richtigen Zeitpunkt abpassen.

Woher soll das Geld kommen, wenn niemand bereit ist, in Banken zu investieren?

Wir denken auch an eine staatliche Unterstützung als Versicherung für nicht vorhersehbare Ereignisse. Das Problem ist doch, dass der Wettbewerb durch die Staatshilfen sehr ungleich geworden ist. Darüber hinaus zählen einige Konkurrenten ihr Hybridkapital als Eigenkapital, andere machen das nicht. Dafür muss es auf europäischer Ebene eine klare Richtlinie geben. Falls wir irgendwo um staatliche Hilfe bitten müssen, wäre das zum Beispiel in Österreich denkbar - wegen der Risiken in den osteuropäischen Nachbarstaaten.

Kann man den Kreditfluss mit einer "Bad Bank" wieder in Gang bringen?

Eine "Bad Bank" kauft die illiquiden Vermögenswerte auf und sorgt so für mehr Transparenz in den Bankbilanzen. Die Finanzkrise wird damit aber noch nicht gelöst.

Sie wollen dem italienischen Autobauer Fiat eine zusätzliche Finanzierungshilfe gewähren. Wird damit der Einstieg bei Chrysler bezahlt?

Nein, das hat damit nichts zu tun. Fiat hat einen kurzfristigen Bargeldbedarf aus dem operativen Geschäft heraus. Darum geht es.

Können Sie sich vorstellen, dass Banken künftig nur noch als Kreditversorger der Wirtschaft fungieren?

Wenn Banken kaum noch Risiken übernehmen und auf Finanzinnovationen verzichten, bezahlen wir das mit deutlich geringeren Wachstumsraten.

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent
Hermann-Josef Knipper
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