Interview
Wiederaufbauminister Farhang erhofft sich positiven Schub von Wahlen

Die Wahlen in Afghanistan werden dem Land nach Auffassung seines Wiederaufbauministers Amin Farhang einen „positiven Schub" geben.

Handelsblatt: Herr Farhang, Afghanistan hat das erste Mal in seiner Geschichte frei gewählt - wie lautet Ihre Bilanz?

Farhang: Wir haben einen sehr schweren Schritt mit großem Erfolg hinter uns gebracht. Das afghanische Volk ist frei, ohne Druck von irgendeiner Seite, zu den Urnen gegangen, im Norden bei Schlamm und Matsch. Die Sicherheitslage war sehr gut. Millionen haben gewählt. Die Wahlbeteiligung lag ersten Analysen zufolge bei 85 bis 90 Prozent. Es ist großartig. Es ist wahrhaftig ein historischer Tag.

Sind die Wahlen legitim - trotz der Manipulationsvorwürfe?

Es gab anfangs in einigen Wahllokalen Pannen mit der Tinte, die aber schnell behoben worden sind. Ich glaube nicht, dass das irgendeinen Einfluss auf das Wahlergebnis hat. Die Forderungen nach einem Boykott der Wahlen sind eine Beleidigung für das afghanische Volk, das seine Freiheit wiedergefunden hat und dabei ist, eine eigene Nation zu bilden. Außerdem haben die Wahlen gezeigt, dass weder El Kaida noch die Taliban noch etwas zu sagen haben.

Sie rechnen mit einem Ende der Anschläge?

Die Taliban sind besiegt worden. Ich glaube nicht, dass noch eine erhöhte Sicherheitsgefahr bevorsteht.

Wann werden wir wissen, wer die Wahlen gewonnen hat?

Die Auszählung der Stimmen wird zwei bis drei Wochen dauern. Die Stimmzettel müssen aus den abgelegensten Dörfern in die Hauptstadt Kabul gebracht werden - eine sehr mühsame Sache.

Was bedeutet die Wahl für den Wiederaufbau von Afghanistan?

Der Wiederaufbau bekommt jetzt einen positiven Schub. Der Glaube der Weltgemeinschaft an das Land ist größer geworden, das ist schon jetzt zu spüren. Die neue Regierung wird stark und tatkräftig sein und auch eine Antwort auf die Warlords zu geben wissen.

Der Kampf gegen die Drogen gilt als Schlüssel für die weitere Entwicklung in Afghanistan. Trotzdem verzeichnet das Land 2004 eine Rekordernte. Was muss passieren?

Zwei Millionen Bauern leben vom Anbau von Schlafmohn. Ich habe großes Verständnis für viele dieser Bauern - denn sie sind bitterarm. Vielleicht hat die Regierung versagt, ihnen Alternativen vorzulegen. Ich bin sicher, das Problem kann man im Inland lösen. Allerdings: Es ist richtig, dass die Drogen in Afghanistan angebaut werden. Die Konsumenten sitzen aber in Europa, insofern ist es eine internationale Angelegenheit und genauso wichtig wie der Kampf gegen den internationalen Terrorismus.

Das Konzept der so genannten Wiederaufbauteams, die Kombination aus Soldaten und Aufbauhelfern im gesamten Land, wird nur schleppend umgesetzt - hält die internationale Staatengemeinschaft nicht das, was sie versprochen hat?

Ich bin sicher: Sobald sich die Sicherheitslage verbessert, die Bedrohung durch die Warlords verschwindet, werden weitere Staaten Wiederaufbauteams schicken. Die Zusammenarbeit mit den Afghanen, auch eine zwingende Voraussetzung für die Wiederaufbauteams, wird schon jetzt täglich besser.

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