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Interview zum Obama-Besuch: „Obama ist nicht der Typ, der Merkels Schultern massiert“

Politiker in Washington werden langsam ungeduldig mit Merkel, sagt der amerikanische Deutschland-Experte Jackson Janes. Ein Gespräch über Obamas Verhältnis zur Kanzlerin und die Rolle Berlins in der US-Außenpolitik.

US-Präsident Barack Obama und Bundeskanzlerin Angela Merkel. Quelle: dpa
US-Präsident Barack Obama und Bundeskanzlerin Angela Merkel. Quelle: dpa

New YorkMr. Janes, wie würden Sie das Verhältnis zwischen Präsident Barack Obama und Kanzlerin Angela Merkel bezeichnen?
Obama ist nicht der Typ, der Merkels Schultern massiert wie sein Vorgänger. Ich denke, zwischen beiden herrscht eher eine Menge Respekt und Professionalität. Sie gehen beide analytisch vor und stellen sich die Frage: Wo brauchen wir uns, und wie können wir uns nützlich sein? Gleichzeitig haben sie eine sehr gute Vorstellung davon, welchen Zwängen der jeweils andere im eigenen Land unterliegt.

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Wie blickt man in Washington auf Merkel und Deutschland?
Deutschland ist seit dem Ende des Kalten Krieges nicht mehr nur Objekt, sondern eher Subjekt in der US-Außenpolitik. Wir sprechen mit Berlin über gemeinsame Interessen, sei es der Euro oder Syrien, Iran, Russland und so weiter. Deutschland hat heute mehr Wahlmöglichkeiten als früher. Das bedeutet aber auch, dass manche in Washington ungeduldig werden, weil das Land zögert, eine Führungsrolle anzunehmen. Immerhin ist Deutschland eine Art Verwaltungsratschef des Euro.

Dr. Jackson Janes ist Präsident des American Institute for Contemporary German Studies an der Johns Hopkins Universität in Washington, DC
Dr. Jackson Janes ist Präsident des American Institute for Contemporary German Studies an der Johns Hopkins Universität in Washington, DC

Wird Obama Merkel am Mittwoch erneut drängen, mehr zu tun?
Ich denke, er wird zu Merkel eher so etwas sagen wie: Heben Sie ihren Blick etwas ab von den aktuellen, schnellen Problemlösungen. Auch wenn Wahlkampf ist, verlieren Sie nicht das größere Bild aus den Augen. Dort gibt es eine Menge gemeinsame Interessen.

Welche sind das?
Syrien zum Beispiel oder der Nahe Osten. Natürlich auch der Kampf gegen die Stagnation in Europa. Obama wird auch für das geplante Freihandelsabkommen zwischen den USA und Europa werben und hervorheben, dass die beiden Wirtschaftsräume zusammenwachsen müssen.

Welche Rolle spielt Europa in Obamas Denken?
Von seinem Schreibtisch im Oval Office aus sieht der Präsident Europa als Teil eines großen Mosaiks. Bei jedem internationalen Problem überlegt er aufs Neue: Welche Unterstützung könnte aus Europa kommen für Herausforderungen, die über die europäischen Grenzen hinausgehen?
Hat der Präsident eine längerfristige Strategie für den alten Kontinent?

Ich glaube, er denkt eher zweckmäßig. An das, was eben gerade wichtig ist. Die wirtschaftliche Situation in Europa zum Beispiel ist extrem bedeutsam für die Stabilität der Konjunktur in Amerika. Deshalb wird er zusehen, dass sich die Lage stabilisiert und sagen: Lasst uns das zusammen in den Griff bekommen. Oder das Freihandelsabkommen: Das wird großen Raum einnehmen am Mittwoch in Berlin. Gleichzeitig gibt es aber noch all die anderen Brandherde dieser Welt: Was machen wir mit Syrien? Wie verhalten wir uns zum Iran? All diese Fragen verhandelt er separat.
Was ist mit der angeblichen Abwendung Obamas von Europa und der Hinwendung zu Asien?
Ich halte das für Unfug. Der Präsident muss immer alle Regionen im Blick halten, er hat gar nicht die Möglichkeit, sich von einer abzuwenden. Zwar wird Europa bei großen internationalen Problemen immer etwas behäbig sein, weil es dort so bald keine gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik geben wird. Aber die Frage ist doch auch: Wohin sonst sollen wir blicken, wenn wir verlässliche Partner brauchen?

Dr. Jackson Janes ist Präsident des American Institute for Contemporary German Studies an der Johns Hopkins Universität in Washington, DC

  • 18.06.2013, 20:03 UhrVicario

    Zitat : Ich denke, zwischen beiden herrscht eher eine Menge Respekt und Professionalität.

    - da habe ich eine ganz andere Meinung.

    Obama ist ein Populist und Blender,

    Merkel ist eine Dilettantische Aussitz-Sesselkleberin.

    Beide haben weder Professionalität noch Respekt vor ihren Wählern !

  • 18.06.2013, 18:55 Uhrbernjul

    "Wir sprechen mit Berlin über gemeinsame Interessen, sei es der Euro..."

    Was für ein Heuchler. Als wenn Der Euro im Interesse der Amis wäre.

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