Investitionsrückgang
Erste japanische Firmen überdenken ihr Engagement in China

Nach Jahren immer neuer Investitionsrekorde in China setzt bei japanischen Firmen langsam ein Umdenken ein. Steigende Löhne, Stromknappheit und härterer Wettbewerb sorgen für Skepsis bei den Unternehmern. Sie setzen zunehmend auch auf andere Niedriglohn- und Wachstumsländer.

TOKIO. Tetsuo Yamazaki, der Verantwortliche für das Chinageschäft bei der Beratungsfirma für Unternehmensbeteiligungen und -übernahmen, Recof, rechnet damit, dass sich künftig immer mehr Firmen zumindest in Teilen aus China zurückziehen. Und er will sie beim Verkauf ihrer Fabriken und Tochterfirmen beraten. Erste Fälle hat er schon – auch wenn es noch weniger sind als die, die weiter neue Investitionsmöglichkeiten im Reich der Mitte suchen.

Steigende Kosten, Stromknappheit, ein intensiver werdender Wettbewerb durch lokale Unternehmen sowie anhaltende Verluste im Chinageschäft lassen so manches japanische Unternehmen umdenken. Nicht zuletzt die Sars-Krise 2003 und die antijapanischen Demonstrationen 2005 hätten viele Firmen dazu getrieben, nicht mehr nur auf China, sondern zur Risikoabsicherung auch auf andere Niedriglohn- und Wachstumsländer zu setzen, schreibt die japanische Außenhandelsagentur Jetro in einem aktuellen Bericht. In ihm analysiert sie die Investitionen japanischer Unternehmen in China.

Bislang stiegen Japans Direktinvestitionen in China kontinuierlich an. Doch der chinesischen Statistik für das erste Halbjahr 2006 zufolge sind sie nach dem Rekordjahr 2005 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 31,4 Prozent auf nunmehr 2,24 Mrd. Dollar eingeknickt. Noch stärker fielen Investitionen koreanischer Firmen, so dass Japan Korea als drittgrößtes Investorland nach Hongkong und den britischen Virgin Islands überholte. Auch Investitionen aus den USA fielen zweistellig. Allerdings zählt die chinesische Statistik die Investitionen in der Finanzbranche nicht mit.

Das Jetro-China-Büro wertet den Abfall jedoch nicht als langfristig anhaltenden Trend. China bleibe auch in Zukunft ein wichtiger Investitionsstandort, weil der Markt so viel versprechend sei.

Doch differenzieren sich China-Experte Yamazaki von Recof zufolge die Aktivitäten der Unternehmen dort. Viele kleinere Unternehmen, die in China produziert und auf dem japanischen Markt verkauft hätten, sehen sich mit steigenden Lohnkosten und wachsendem Druck durch chinesische Unternehmen konfrontiert. „Von denen“, sagt Yamazaki, „kommen im Moment bereits erste Überlegung, ihre Aktivitäten zu verkaufen.“

Für Firmen, die hingegen auch den Absatzmarkt China nutzen, gleicht dessen Wachstum die steigenden Kosten oftmals aus. „Für uns sind die Investitionen in China noch lange nicht abgeschlossen“, sagt etwa Senior Managing Director Takeshi Suzuki von Toyota Motor.

Seite 1:

Erste japanische Firmen überdenken ihr Engagement in China

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%