Investitionsüberschuss
Zeitenwende: China kauft Europa auf

Zum ersten Mal hat die Volksrepublik mehr Geld in Europa investiert als der alte Kontinent in China anlegte. Das belegt Pekings Wirtschaftsstärke - und das Interesse der Chinesen am Wirtschaftsstandort Deutschland.
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PekingChinesische Unternehmen und der chinesische Staat haben im vergangenen Jahr mehr als elf Milliarden Euro in Ländern der Europäischen Union investiert - und damit erstmals mehr als Europäer in China. Diese steckten insgesamt nur rund sieben Milliarden Euro in Projekte in der Volksrepublik, wie eine am Montag veröffentlichte Studie der Unternehmensberatung PricewaterhouseCooper (PwC) ergab. Beliebtestes Ziel chinesischer Investitionen in Europa ist demnach Deutschland.

Der chinesische Staatsfonds CIC, ausgestattet mit mehr als 3,2 Billionen Dollar, wolle sein Geld möglichst breit gestreut anlegen und suche nach Zugang zu Ressourcen, heißt es in der PwC-Studie. CIC kaufte im vergangenen Jahr zum Beispiel einen Sieben-Prozent-Anteil am europäischen Satellitenbetreiber Eutelsat und einen Anteil von 8,68 Prozent am britischen Wasserversorger Thames Water.

Die staatlich kontrollierte Gruppe China Three Gorges erwarb mehr als 21 Prozent am portugiesischen Energieversorger EDP. Und eine CIC-Tochter kaufte einen Anteil am Betreiber des britischen Flughafens Heathrow.

Chinesische Privatunternehmen seien am Erwerb von Schlüsseltechnologien interessiert, um sich so auch im Ausland wachsen zu können, analysierte PwC. Als Beispiel wird der Baumaschinenkonzern Sany genannt, der den Betonpumpenspezialisten Putzmeister kaufte. Tatsächlich suchen die Chinesen in Deutschland vor allem nach Firmen mit großen Marken, gerne auch im Mittelstand. So wechselte auch der Hersteller von Autoschlössern, Kiekert, in chinesischen Besitz.

Die Investitionen europäischer Unternehmen in China sind nach Zahlen des Handelsministeriums in Peking weiter rückläufig. In den ersten neun Monaten dieses Jahres sanken sie im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um mehr als sechs Prozent auf 4,83 Milliarden Dollar. Größter Investor aus der EU in China war im vergangenen Jahr laut PwC-Studie Frankreich.

 
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Investitionsüberschuss: Zeitenwende: China kauft Europa auf"

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  • Es ging auch nur um den Break-Even-Point.

    Aber solange die Chinesen nicht chinesische Arbeitskräfte exportieren, was ich als logische Schlussfolgerung sehe, ist alles noch in Butter.
    Mal so ein paar Mill. nach Europa schicken, das würde interessant werden.^^

  • Europa war einmal vereint ..., vor dem Euro.

    Und da man für Europa allmählich die Planwirtschaft wieder einführt, ist das ehr eine Einladung an die Chinesen.^^

  • Liebe Leute, ist das hier wieder die berühmte "german angst"? Gemäß Artikel liegt der Investitionsüberschuss EU/China bei 4 Mrd. Euro. Wenn man dt. Kennzahlen ansetzt, +/- Umsatz = Unternehmenswert, so entsprechen die Unternehemnswerte aller EU Unternehmungen +/- 12,5 Billionen Euro (12,5 Tausend Milliarden). Beruhigen sich sich mal. Ein Ausverkauf sieht wahrlich anders aus.

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