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02.05.2008 
Slowakei

Investoren bilden Spezialisten selbst aus

von Sabine Haupt

Weil ausländische Unternehmen in der Slowakei nicht mehr genügend qualifizierte Mitarbeiter finden, fordern sie eine Reform des Bildungssystems. Bis es soweit ist, bekämpfen die Firmen den Fachkräftemangel durch Kooperationen mit Universitäten oder mit eigenen Schulungszentren.

VW-Werk in Bratislava: Hier werden die Geländewagen Touareg und Audi Q7 gebaut sowie die Karosserien für den Porsche Cayenne. Foto: dpaLupe

VW-Werk in Bratislava: Hier werden die Geländewagen Touareg und Audi Q7 gebaut sowie die Karosserien für den Porsche Cayenne. Foto: dpa

DÜSSELDORF. Der Euro muss es richten. Europas harte Währung soll die Slowakei wieder attraktiver machen - für die eigenen Arbeitskräfte. "Wegen der starken und stabilen Währung dürfte ein großer Teil der Auslandsslowaken wieder zurückkommen", erwartet Michael Kern, Geschäftsführer der deutsch-slowakischen Handelskammer. Die Regierung schätzt die Zahl der Slowaken, die wegen höherer Löhne ins Ausland gingen - meist nach Tschechien - auf gut 180 000. Deshalb werden in dem einstigen Investorenparadies heute händeringend gut ausgebildete Fachkräfte gesucht.

Dabei waren gerade sie es, die in den 90er-Jahren immer mehr Investoren in das kleine Bergland lockten. VW, Peugeot, Kia und zahlreiche Autozulieferer machten das Reformland zum "Detroit des Ostens". Andere Investoren folgten. Alle zusammen fegen jetzt den Arbeitsmarkt des Landes mit seinen fünf Millionen Einwohnern leer. Das treibt nicht nur die Löhne. Der Slowakei gehen auch die Lackierer, Ingenieure, IT-Spezialisten und Biochemiker aus. "Die Konkurrenz um Fachkräfte wird immer härter", sagt Matthias Lindenmaier, Geschäftsführer beim Autozulieferer Lindenmaier Slowakia.

Der deutsche Schuhhersteller Gabor, der sich Mitte der 90er-Jahre im westslowakischen Banovce ansiedelte, kommt der Nachfrage kaum noch nach. "Wir würden gern ausbauen, aber dafür können wir nicht die erforderlichen 150 Fachkräfte finden", klagt Gabor-Geschäftsführer Karl Otto Fischer. So müssten die 1 760 Mitarbeiter weiter teure Überstunden schieben. "Viele Unternehmen wollen expandieren, aber dazu fehlen die Fachkräfte", meint Kern. In der jüngsten Umfrage seiner Kammer geben die deutschen Unternehmen denn auch der Verfügbarkeit von Fachkräften eine der schlechtesten Noten.

Im Zentrum der Kritik steht die slowakische Bildungspolitik: "Die Unternehmen fordern eine Reform des Ausbildungssystems - allen voran der Berufs- und Mittelschulen", meint Kern: "Bei der Berufsausbildung lebt die Slowakei momentan noch von der Vergangenheit." Die Regierung von Premier Robert Fico hat die Bildungspolitik bisher nicht angepackt. Die Blaupausen, mit denen ihre neoliberalen Vorgänger die Slowakei zur "Wissensgesellschaft" katapultieren wollten, verschwanden in den Schubladen. Die Slowakei ist EU-Schlusslicht bei den Bildungs- und Forschungsausgaben.

Dass alle befragten Firmen darüber klagen, dass die Schulabsolventen nicht richtig auf die Praxis vorbereitet sind, hat System: Der Staat zahlt den Berufsschulen für jeden Schüler das gleiche Geld, egal wie aufwendig die jeweilige Ausbildung ist. Ergebnis: Die Berufsschulen bauen die kapitalintensiven gewerblichen Schulplätze ab und schulen stattdessen lieber Friseure oder Dienstleister.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Der Kontakt zu den Hochschulen rechnet sich

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