Investoren entdecken Nordirland
Boom statt Bomben

Es ist ruhig geworden um Nordirland, das seit Dienstag eine neue Regierung aus einst verfeindeten Protestanten und Katholiken hat, und die Ruhe trägt Früchte: Die Provinz zieht Investoren an wie vor Jahren die katholische Republik im Süden, Belfast wird zur Boomtown - und statt Terrorismus ist nun Tourismus an der Tagesordnung.

BELFAST. Verlassen stehen die gelben Brückenkräne mit der Aufschrift H&W zwischen Bauzaun und Hafenbecken, rund 100 Meter hoch und 140 Meter breit. H&W, das steht für Harland & Wolff. Auf der Werft wurde einst die „Titanic“ gebaut – damals, als Belfast noch ein Zentrum des Schiffbaus war. Die beiden gigantischen Kräne sollen stehen bleiben, rundherum ist schon alles abgeräumt. Hier beginnen bald die Arbeiten am „Titanic Quarter“, kündigt das Bauschild an.

Wie schon London und Dublin wandelt jetzt die nordirische Hauptstadt das verschmähte Erbe der Hafen- und Werftindustrie in ein funkelndes Vorzeigeprojekt um – mit Büros für High-Tech-Firmen, mit Touristenattraktionen und schicken Apartmenthäusern. Zwischen dem Titanic Quarter und der Innenstadt schmücken bereits neue Bauten im globalen Einheitsstil aus viel Glas und hellem Stein die Ufer des Lagan-Flusses.

Es ist das neue Belfast, es ist ein Symbol für Wirtschaftsaufschwung, Frieden und Normalität – nach Jahrzehnten des Bürgerkriegs mit 3 600 Toten und einem erbitterten Tauziehen um eine eigene Regierung. Heute tritt sie an, die neue Koalition. Nach mehreren missglückten Anläufen wollen sich die protestantischen Unionisten und die gesamtirische Partei Sinn Fein, der politische Arm der IRA, dauerhaft die Macht teilen. Regierungschef wird der 80-jährige Prediger und Protestantenführer Ian Paisley, sein Vize der Sinn-Fein-Politiker Martin McGuinness.

Sie wecken große Hoffnungen bei den 1,7 Millionen Nordiren: auf eine Festigung des Friedens, auf neue Zeiten und darauf, wie der Nachbar im Süden auch ein „keltischer Tiger“ zu werden. Ist das realistisch?

Durchaus, findet Frank Hewitt. „Wir fangen an, unser wirtschaftliches Potenzial zu erkennen.“ Der Bauboom beginne sich von Belfast aus in die Provinz auszubreiten, sagt der Chef der Nordirischen Industrie- und Handelskammer. Das gelte auch für den Tourismus. Hewitt: „Besucher machen sich keine Sorgen mehr über die Sicherheit, sie sind neugierig, das Land kennen zu lernen.“

Dazu gehört auch das alte Belfast: die schäbigen Mietskasernen mit den Wandgemälden vermummter Kämpfer mit Maschinenpistolen, der Stacheldraht auf den Mauern und die Stahltore zwischen dem Katholiken- und dem Protestantenviertel. Im Schatten der Mauer spielen Jungs auf der Straße Fußball – zwischen Reihenhäusern, deren Rückfront mit Metallgittern vor Wurfgeschossen geschützt ist. Mit Pullovern haben sie Tore markiert. Da fliegt der Ball über einen Zaun und klatscht an die Granitplatte, die an der Mauer angebracht ist. Dort sind Namen von „Märtyrern“ eingraviert. Eine lange Liste. Fremdenführer Billy Scott kennt die Geschichte dazu.

Seite 1:

Boom statt Bomben

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%