Ioannis Stournaras
Griechenlands Mr. Euro wird Finanzminister

Der Mann, der Athen auf Basis falscher Daten in die Euro-Zone geführt hat, soll das Land nun durch die Finanzkrise steuern. Doch trotz seiner Vergangenheit genießt der Ökonom und Banker Stournaras einen guten Ruf.
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AthenGriechenlands neuer Finanzminister ist der Banker und Ökonomieprofessor Ioannis Stournaras. Nach dem gesundheitlichen Ausfall seines ersten Kandidaten griff Ministerpräsident Antonis Samaras am Dienstag auf Stournaras zurück, der zuletzt als Wirtschaftsminister in der Übergangsregierung gedient hatte. Der 55-Jährige hat große Erfahrung in der griechischen Finanzwirtschaft und Politik - die aber nicht nur für ihn spricht.

Wann Stournaras vereidigt wird, blieb zunächst unklar. Ebenso war fraglich, ob er schon an diesem Donnerstag am EU-Gipfel in Brüssel teilnehmen wird.

Stournaras war unter anderem Mitarbeiter der griechischen Zentralbank (Bank of Greece) und Vorstand der griechischen Handelsbank (Commercial Bank). Zudem hatte er Griechenlands Beitritt zur Euro-Zone 2004 als Chefunterhändler maßgeblich mitgesteuert. Inzwischen hat sich längst herausgestellt, dass Griechenlands Angaben über seine finanzielle Lage und wirtschaftliche Leistungsfähigkeit damals glatt gefälscht waren - und das Land auf dieser Grundlage niemals Mitglied der Euro-Zone hätte werden dürfen.

Dennoch gilt Stournaras gerade deshalb als guter Kandidat, das Krisenmanagement zu übernehmen und das harte Reformprogramm der internationalen Kreditgeber durchzuziehen. Neben seiner fachlichen Qualifikation wird dafür in Athen auch seine politische Erfahrung und internationale Vernetzung angeführt. Er ist auch Chef des griechischen Instituts für Ökonomie- und Industrieforschung (IOWE).

Entsprechend positiv fielen die ersten Reaktionen auch bei ausländischen Experten und Beobachtern aus. Stournaras sei nicht nur ein erfahrener Fachmann, sondern kraftvoll und optimistisch. Der designierte griechische Finanzminister Vasilios Rapanos hatte am Montag aus gesundheitlichen Gründen auf sein Amt verzichtet. Er war in den vergangenen Wochen Wirtschaftsminister der Interimsregierung, die Griechenland zu den Neuwahlen am 17. Juni führte.

Stournaras war unter dem sozialistischen Reformpremier Kostas Simitis Ende der 90er Jahre Vorsitzender des Sachverständigenrates im Wirtschafts- und Finanzministerium. In dieser Zeit war auch Chefunterhändler auf dem Weg Griechenlands in die Währungsunion.

Ein weiteres Plus: Als CEO der Emporiki Bank sammelte er in den Jahren 2000 bis 2004 Erfahrungen, die ihm jetzt zugutekommen werden – die Probleme des schwer angeschlagenen griechischen Bankensektors stehen ganz oben auf der  Agenda des neuen Finanzministers.

Zuletzt leitete Stournaras das unternehmernahe Wirtschaftsforschungsinstitut IOBE, als dessen Direktor er in den vergangenen Jahren immer wieder öffentlich für marktwirtschaftliche Strukturreformen und eine entschlossene Haushaltskonsolidierung eintrat. In der griechischen Presse wird er aber auch dafür kritisiert, mit allzu optimistischen Prognosen über Griechenlands Wirtschaftswachstum die Verfehlungen der Vergangenheit mit befördert zu haben.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Gerd Höhler
Gerd Höhler
Handelsblatt / Korrespondent Südosteuropa
Georg Watzlawek
Georg Watzlawek
Handelsblatt Online / Ressortleiter Wirtschaft und Politik

Kommentare zu " Ioannis Stournaras: Griechenlands Mr. Euro wird Finanzminister"

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  • Griechenlands Beitritt in die Eurozone 2004??? Simitis ein sozialistischer Premier??? na liebes handelsblatt da müsst ihr eure Hausaufgaben nochmal nachholen


  • Ihr Kommentar:

    "Vertrauensgefährdende Maßnahmen<br/>Sind die Nord-Europäer blind oder dumm.<br/>Die Grichen führen die EU und die Nordländer vor.Die Wahlen dienten nur der Verzögerung.Samaras musste ja unbedingt jetzt eine Augen-OP vornehmen,der Finanzminister ins Krankenhaus,Das sind doch nur weitere verzögerungsmaßnahmen.Ich glaube Denen nicht und das sollte auch keine EU tuen.Aber was für Griechenland gilt,gilt mehr oder weniger für alle Südländer.Hierbei möchte ich auch Frankreich nicht ausschließen.man mag über Sarkozi denken wie mann will,aber Er hatte wohl erkannt,woran zumindest Frankreich krankt.Was man von Hollande nicht behaupten kann.Ich bin der Überzeugung,selbst wenn die Nordländer sich aus solidarität Ausziehen.werden selbst nach einer einer Gesundung der Südländer innwerhalb kurzer Zeit DORT wieder ähnlich aussehen wie jetzt.Dafür sind die sogenannten Eliten zu Korrupt und nur auf sich Fixiert.Die interessieren sich nicht mal für Ihr eigenes Volk.Abhilfe könnte hier nur ein Währungsschnitt für die Südländer und einführung eines SÜD-EURO bei gleichzeitiger kontrolle der Banken mit übergeordneten Kontrolleuren.( die Nie ein zweites mal dieselben Banken/Staaten kontrollieren dürften )Bei allem Verständniss,aber das die EZB und andere Instutionen von Südländer uA..von dem Windei Barroso geleitet werden,ist eine Zumutung

  • Der war auch an den Verhandlungen über die Aufnahme GR in den Euro beteiligt. Der ist erfahren und weis sehr gut wie dämlich die Politiker des Nordens sind und wird die nach allen Regeln der Kunst über den Tisch ziehen. Solchen Typen geht man aus dem Weg.

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