Irak
25 Tote bei Gefechten in Basra

Das Pulverfass Basra droht zu explodieren: Bei Gefechten zwischen Milizionären der schiitischen Mahdi-Armee und Regierungstruppen sind in der südirakischen Hafenstadt am Dienstag mindestens 25 Menschen getötet worden.

HB BASRA/BAGDAD. Die meisten Opfer waren nach Angaben von Krankenhausärzten Soldaten und Polizisten. Unter den Toten wurden auch vier Angehörige der Mahdi-Armee identifiziert. In der vorwiegend von Schiiten bewohnten Stadt am Persischen Golf hatten die irakischen Behörden zuvor eine Ausgangssperre verhängt. Die britische Truppen hatten sich im Dezember vollständig aus der Stadt zurückgezogen und sind seither nur noch am Flughafen von Basra stationiert.

Eine weitere Verringerung der US-Truppen im Irak ist vorerst nicht geplant. Laut „New York Times“ (Dienstagsausgabe) plädierte der US-Oberkommandierende im Irak, General David Petraeus, in einer Videokonferenz mit US-Präsident George W. Bush dafür, nach dem bis Juli geplanten Abzug von rund 30 000 Soldaten zunächst keine weitere Truppenreduzierung mehr vorzunehmen. Die zusätzlichen Soldaten waren Anfang 2007 in den Irak abkommandiert worden. Seitdem ist vor allem in Bagdad die Gewalt zurückgegangen.

Aus Angst, dass die Unruhen in Basra auf weitere Städte im schiitischen Süden übergreifen könnten, wurde am Dienstag auch in anderen Städten eine Ausgangssperre verkündet, darunter in Al- Nasirija und in Hilla. Unterstützung erhielten die Regierungstruppen von den Koalitionstruppen, die mit ihrer Luftwaffe Aufklärungsarbeit leisteten.

Die Mahdi-Armee gehört zur Bewegung des radikalen Schiiten-Predigers Muktada al-Sadr. Dieser rief seine Anhänger und die Polizei zur Mäßigung auf. Gleichzeitig forderte er seine Anhänger zum „zivilen Ungehorsam“ auf. Außerdem sollten sie Exemplare des Korans und Olivenzweige an die Polizisten und Soldaten verteilen, die ihnen an den Straßensperren begegneten.

In einer Erklärung Al-Sadrs, die in der schiitischen Pilgerstadt Nadschaf veröffentlicht wurde, hieß es, auch die Religionsgelehrten sollte zu einem Ende der Gewalt aufrufen. Gleichzeitig drohte Al-Sadr mit einem Generalstreik. Der seit Jahren schwelende Machtkampf zwischen den Schiiten-Parteien in Basra war nach dem Abzug der letzten britischen Soldaten aus der Stadt eskaliert.

Der irakische Ministerpräsident Nuri al-Maliki war am Montag mit mehreren Kabinettsmitgliedern nach Basra gereist, um einen neuen Plan zu besprechen, mit dem die Sicherheitslage in der Stadt unter Kontrolle gebracht werden soll. Anschließend verkündete er den Beginn einer Offensive mit dem Namen „Angriff der Ritter“ in Basra. Al-Maliki gehört der schiitischen Dawa-Partei an.

Die Sadristen, die Dawa-Partei und die Partei Oberster Islamischer Rat im Irak (SICI) waren bei der Parlamentswahl im Dezember 2005 mit einer gemeinsamen Liste angetreten. Später kühlte das Verhältnis zwischen den Spitzenpolitikern der Schiiten-Allianz jedoch deutlich ab. Die Sadr-Fraktion, die ihre Hochburg in Bagdads Armenviertel Sadr-City hat, zog ihre Minister aus der Regierung ab.

Die US-Armee berichtete unterdessen, die Koalitionstruppen hätten in der Nacht zum Dienstag unweit von Basra fünf Extremisten getötet, die gerade einen Sprengsatz platziert hätten. Bereits am Sonntag seien durch einen Sprengstoffanschlag nahe der Stadt Bakuba zwei Kinder ums Leben gekommen. In der Nähe der Stadt Kirkuk im Norden töteten Extremisten an einer Straßensperre vier irakische Soldaten.

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