Irak
Amerikaner entsetzt über Verstümmelung von US-Soldaten

Die Details wollte das US-Militär den Familien der zu Tode gefolterten US-Soldaten im Irak und der amerikanischen Öffentlichkeit eigentlich ersparen. Vergeblich: Schnell wurde bekannt, dass die Leichen der zwei entführten Männer grauenhaft zugerichtet waren. Von einer brutalen Vergeltungsaktion für den getöteten Topterroristen Abu Mussab el-Sarkawi ist die Rede.

dpa WASHINGTON. Erst sprach ein irakischer Generalmajor von einem „barbarischen Mord“, dann brachte die „Washington Post“ Details von Augenzeugen. Die am Freitag verschleppten Soldaten Thomas Tucker (25) und Kristian Menchaca (23) sollen mit Stricks gefesselt und an Kleinlaster gebunden durch die Straßen geschleift worden sein, ehe sie verstümmelt und enthauptet wurden. Die Leichen waren so zugerichtet, dass eine DNA-Analyse zur eindeutigen Identifizierung nötig war.

Die Soldaten waren am Freitag entführt worden. Auf einer Internetseite von Islamisten hieß es, der Nachfolger des von den Amerikanern getöteten El-Kaida-Anführers Abu Mussab el- Sarkawi, Abu Hamsa el-Muhajir, habe die beiden Geiseln eigenhändig enthauptet. Das US-Militär wies den Verdacht jedoch vehement zurück. „Völlig unglaubwürdig“, sagt Militärsprecher William Caldwell.



Im Heimatort von Tucker, Madras, einen 5600-Seelen-Ort in Oregon an der Westküste, wich die anfängliche Hoffnung, den Soldaten noch lebend zu finden, blankem Entsetzen. Auf großen Anzeigentafeln in der Stadt wurden Botschaften wie „Wir beten für die sichere Rückkehr von Tucker“ ersetzt. „Wir sind stolz auf einen amerikanischen Helden“ steht dort nun. Jeder kennt die Familie. Die Lokalzeitung organisiert Helfer: „Wer für die Tuckers kochen oder anders helfen will, sollte Andee, Jan oder Kristy anrufen“ steht da mit Telefonnummern. „Bin nur auf Urlaub und zurück, bevor ihr es merkt“, hatte der Gefreite vor kurzem noch auf den Anrufbeantworter seiner Eltern gesprochen. Tucker war erst im vergangenen Sommer in die Armee eingetreten.

Christine Menchaca (18) ist neun Monate nach ihrer Blitzhochzeit mit Kristian Menchaca Witwe. Die jungen Leute hatten im September vergangenen Jahres heimlich geheiratet, Tage, bevor Menchaca seinen Marschbefehl in den Irak erhielt. „Schickt mir Sachen: Feuchttücher, Seife, Oreo-Kekse“, sagte Menchaca seiner Tante Maria Vásquez erst vor kurzem am Telefon. „Er liebte Oreos“, berichtet sie im Fernsehen unter Tränen.

Trauer und Entsetzen über den brutalen Tod der jungen Männer und Tribute an ihre Vaterlandsliebe dominierten am Mittwoch die US- Reaktion. „Ich verteidige mein Land, seid stolz auf mich“, sagte Tucker auf den Anrufbeantworter seiner Eltern, die diese Botschaft veröffentlichten. „Er glaubte an das, was er tat“, sagt Sylvia Grice, eine Cousine von Menchaca.

Bröckelnde Unterstützung für den Irak-Krieg

Noch wagte keiner, öffentlich die Frage zu stellen, ob Tuckers und Menchacas Schicksal auf brutales amerikanisches Verhalten im Irak zurückzuführen sei. Erst vor wenigen Wochen hatte der Tod von zwei Dutzend Zivilisten in Haditha Schlagzeilen gemacht. Die US-Armee untersucht, ob amerikanische Soldaten die Männer, Frauen und Kinder kaltblütig erschossen haben. Gegen drei US-Soldaten wurde gerade Anklage wegen Mordes an irakischen Gefangenen erhoben. Und die skandalösen Schikanen, mit denen US-Soldaten irakische Gefangene im Gefängnis Abu Ghoreib drangsalierten, sind nicht vergessen.

Dass US-Soldaten, die auszogen, um ihr Land zu verteidigen, nun blutrünstigen und brutalen Kämpfern in die Hände fallen könnten, ist ein Albtraum für die Amerikaner. Das könnte die bröckelnde Unterstützung für den Irak-Krieg weiter unterlaufen. Bei Umfragen bezeichnen inzwischen mehr als die Hälfte der Befragten den Krieg als Fehler.

Das US-Militärkommando erklärte derweil, in Bagdad sei der Anführer eines Killerkommandos festgenommen worden. Die Mitglieder seiner Gruppe sollen in der Hauptstadt Iraker entführt, gefoltert und ermordet haben. Ein zweiter Verdächtiger sei in dem vorwiegend von Schiiten bewohnten Stadtteil Kadhimija zusammen mit Nuri Abu Heidar el-Okabi festgenommen worden, erklärte die US-Armee. El-Okabi habe in seiner Organisation den Titel „Vorsitzender des Bestrafungskomitees“ getragen.

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