Irak
Annan: Unter Saddam war es besser

Der scheidende UN-Generalsekretär Kofi Annan hat die Lage im Irak als „viel schlimmer“ als in einem Bürgerkrieg bezeichnet. Das Leben für den normalen Iraker sei heute schlechter als unter dem Regime des Diktators Saddam Hussein, sagte Annan am Montag in einem Interview der britischen BBC.

HB NEW YORK/ LONDON. Die Situation sei „extrem gefährlich“. Zugleich äußerte Annan Zweifel, dass die Regierung in Bagdad die eskalierende Gewalt allein unter Kontrolle bringen kann. „Sie brauchen Hilfe. Angesichts des Mordens und der Bitterkeit bin ich nicht sicher, dass sie es allein schaffen.“

Auf die Frage, ob die Lage im Irak als Bürgerkrieg bezeichnet werden könne, sagte Annan: „Vor ein paar Jahren, als wir die Kämpfe im Libanon hatten, haben wir das einen Bürgerkrieg genannt. Dies hier ist viel schlimmer.“ Der Generalsekretär widersprach damit der US-Regierung, die die zunehmende Gewalt im Land lediglich als eine „neue Phase“ bezeichnet.

Mit Blick auf den Bericht der unabhängigen Baker-Kommission, der an diesem Mittwoch veröffentlicht werden soll, sagte Annan: „Ich glaube, das ist eine Bestätigung, dass die Dinge nicht so gelaufen sind, wie sie (die Amerikaner und andere) geglaubt haben und dass es jetzt nötig ist, eine kritische Überprüfung vorzunehmen, einen kritischen Blick auf das zu werfen, was vorgeht, und wenn nötig, den Kurs zu ändern.“ Wie vorab bekannt geworden war, wird in dem Kommissionsbericht auch der Beginn eines Truppenabzugs bis Ende nächsten Jahres angeregt.



„Ohne Sicherheit keine Besserung und kein Wiederaufbau“

Erneut stellte Annan den Konflikt im Irak mit dem im Libanon, dem palästinensisch-israelischen Konflikt und den Spannungen mit dem Iran in Zusammenhang. „Wir haben eine sehr beunruhigende Situation im gesamten Nahen Osten, und wir müssen das als Ganzes sehen, nicht als einzelne Konflikte.“ Er appellierte an die regionalen und internationalen Mächte, dem Irak zu helfen. „Ohne Sicherheit kann nicht viel getan werden, keine Besserung und kein Wiederaufbau.“

Annan räumte zugleich ein, dass das Unvermögen der Vereinten Nationen, die von den USA geführte Irak-Invasion 2003 abzuwenden, ein schwerer Schlag für die Weltorganisation gewesen sei, von dem sie sich erst langsam erhole. „Das ist noch nicht verheilt, die dadurch entstandenen Spannungen in der Organisation sind immer noch spürbar.“

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