Irak
Bericht: US-Soldaten verübten Massaker

Es ist eine Nachricht, die selbst im krisengeschüttelten Irak für Aufsehen und Empörung sorgt: Eine interne Untersuchung des US-Militärs kommt zu dem Schluss, dass US-Soldaten in der Stadt Haditha willkürlich irakische Zivilisten erschossen haben – vor den Augen ihrer Kinder. Die Bush-Regierung sucht nach Erklärungen.

HADITHA/WASHINGTON. Iman Abdel Hamid (9) hat schon mehrfach berichten müssen, wie US-Marineinfanteristen am 19. November vergangenen Jahres ihre Eltern getötet haben. Doch es fällt dem Mädchen aus dem westirakischen Haditha immer noch unendlich schwer, über den Horror dieses Tages zu sprechen. „Erst haben die Amerikaner meinen Vater im Schlafzimmer getötet und dann eine Rakete abgeschossen, so dass seine Leiche völlig verbrannt war“, sagt sie. „Als sie danach meine Mutter getötet haben, haben mein Bruder und ich unsere Gesichter mit Kissen bedeckt, um nichts zu sehen. Sie fiel hin, verlor viel Blut und schrie sehr lange bis sie dann tot war“, erzählt das Mädchen.

Selbst im Irak, wo die Menschen an tägliche Schreckensnachrichten gewöhnt sind, hat der Fall Haditha Aufsehen erregt. Allerdings sind die meisten Reaktionen in der Regierung bisher eher verhalten. „Ich glaube nicht, dass die Soldaten zu Strafen verurteilt werden, die der Schwere ihres Verbrechens gerecht werden“, meint der stellvertretende Ministerpräsident, Salam al-Saubai. „Wir haben uns daran gewöhnt, dass so etwas in den irakischen Städten passiert, ohne dass harte Strafen verhängt werden“, erklärt Al-Saubai. Er gehört zur sunnitischen Konsensfront, die in der Provinz Anbar, zu der auch Haditha gehört, viele Anhänger hat.

„Einige haben wohl die Kontrolle verloren“

Das "Massaker von Haditha" war offensichtlich ein willkürlicher Angriff von US-Soldaten auf irakische Zivilisten. Zu diesem Schluss komme eine interne Untersuchung der US-Armee, berichtete heute die "New York Times". Zu den Beweisen, die der Sonderermittler Oberst Gregory Watt gefunden hat, zählen die Todesurkunden der 24 irakischen Opfer, die alle Schusswunden in Kopf oder Brust aufwiesen.

Der irakische Ministerpräsident Nuri al-Maliki bezeichnete den Vorfall in Haditha als Besorgnis erregend. „Wir beobachten mit Sorge, dass die Zahl derartiger Vorfälle steigt.“ US-Unteroffizier James Crossan, der zu Beginn der Vorfälle in Haditha am 19. November 2005 bei der Explosion einer Bombe verletzt worden war, lieferte in Fernsehinterviews eine Begründung für die Gewalttat seiner kamerdaen. Nachdem ein US-Soldat bei der Explosion des Sprengsatzes am Straßenrand getötet und zwei weitere verletzt worden waren, hätten „wohl einige die Kontrolle verloren“, so Crossan in einem Gespräch mit CNN. Deshalb sei es „zu schlechten Entscheidungen“ der US- Militärs gekommen.

Seite 1:

Bericht: US-Soldaten verübten Massaker

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%