Irak
Bundesregierung hat Kontakt zu Entführern

Die Entführer der beiden deutschen Ingenieure im Irak werden aktiv: Sie haben laut Außenminister Frank-Walter Steinmeier Kontakt mit der Bundesregierung aufgenommen. Zudem haben die Entführer dem arabischen Fernsehsender Al Dschasira ein Video zugespielt, das ihre beiden Geiseln lebend zeigt.

HB BAGDAD/BERLIN. Steinmeier bestätigte den Kontakt zu den Entführern gegenüber dem Fernsehsender RTL. Der Bundesaußenminister sagte, die Bundesregierung werde alles tun, damit die beiden Männer freikommen. „Wir werden dabei mit Augenmaß vorgehen. Das verspreche ich für die Bundesregierung“, ergänzte der SPD-Politiker. Zu dem Videoband, das die beiden Deutschen in der Hand von vier bewaffneten Männer zeigt, sagte Steinmeier: „Es waren erschütternde Bilder, die uns heute Morgen aus dem Irak erreichten.“

In der Videobotschaft, die Al Dschasira an das ZDF weiter reichte, nennen die beiden Entführten ihre Namen und den ihres Unternehmens, des sächsischen Anlagenbauers Cryotec. Sie wandten sich auf Deutsch auch an die Bundesregierung und baten sie, alles zu tun, um ihre Freilassung zu erreichen. Al Dschasira strahlte die Aufnahme ohne Ton aus, das ZDF zeigte nur Standbilder.

Die Entführer nennen sich „Kataib Ansar al-Tawhid wa al-Sunna“ (Brigaden der Anhänger der göttlichen Einheit und des Beispiels des Propheten). Die beiden Geiseln sind in dem Video, das von guter Bild- und Tonqualität ist, gut zu erkennen. Sie hocken auf dem Boden. Auf den ersten Blick sieht es aus, als seien sie bei guter Gesundheit. Um sie herum sind Bewaffnete zu sehen.

Die Ingenieure aus Kleinstädten in der Leipziger Gegend waren am Dienstag in der Industriestadt Baidschi im berüchtigten „sunnitischen Dreieck“ verschleppt worden. Das Video war noch auf denselben Tag datiert. Die Lebensgefährtin eines der beiden Entführten reagierte erleichtert auf das Lebenszeichen. „Es tut gut zu wissen, dass er lebt. Das ist das Wichtigste“, sagte die 29-Jährige.

Cryotec setzte sich unterdessen vehement gegen Vorwürfe des Staatsministers im Auswärtigen Amt, Gernot Erler (SPD), zur Wehr. Erler hatte dem Unternehmen vorgeworfen, Warnungen missachtet und leichtfertig gehandelt zu haben. „Die Geschäftsführung und die Mitarbeiter distanzieren sich auf das Schärfste von den Äußerungen des Staatsministers, der der Firma ein unverantwortliches Verhalten unterstellt“, heißt es in einer Erklärung vom Freitag. „Die Äußerungen des Ministers beruhen, sofern keine populistische Absicht vorliegt, zumindest auf Unkenntnis der tatsächlichen Zusammenhänge.“

Cryotec-Geschäftsführer Peter Bienert hatte die Äußerungen zuvor als „tendenziöse Formulierungen ohne Kenntnis der Sachverhalte“ bezeichnet. Einsatzgebiet, Reiseroute und die Situation vor Ort seien im Vorfeld geprüft worden. Gegen Entführungen sei man im Irak nirgendwo völlig sicher. Cryotec hat nach Baidschi eine Luftzerlegungsanlage geliefert.

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