Irak
Bush verbreitet Zuversichtsparolen

Angesichts der andauernden Berichte über Morde und Vergeltungsmaßnahmen im Irak ist US-Präsident George W. Bush unter Druck. So warb er am dritten Jahrestag der Invasion in dem Golfstaat bei seinen Bürgern um Vertrauen. Bushs Botschaft: Es droht kein Bürgerkrieg, die US-Strategie stimmt. Doch immer mehr Amerikaner sind anderer Meinung.

HB WASHINGTON. Bush sieht trotz täglich 50 bis 60 getöteter Menschen keinen Bürgerkrieg im Irak. Er teile die - entgegengesetzte - Meinung des irakischen Ministerpräsidenten Ijad Allawi nicht, sagte Bush am Dienstag auf einer Pressekonferenz in Washington. Bei aller Gewalt gebe es Hinweise darauf, dass die Iraker sich gegen einen Bürgerkrieg entschieden hätten. Als Beispiele nannte Bush, dass das irakische Militär weiter eine Einheit bilde und religiöse Führer zu einem Ende der Gewalt aufgerufen hätten.

Es gebe Fortschritte, über die die Medien nicht berichteten, wie etwa Tal Afar im Norden des Landes, sagte Bush. Irakische und US-Truppen hätten die Stadt aus der Umklammerung der Extremisten-Organisation El-Kaida befreit. Nun sei Tal Afar eine freie Stadt, die Anlass zur Hoffnung für einen freien Irak gebe.

Auch für einen Rücktritt von Verteidigungsminister Donald Rumsfeld sieht Bush keinen Grund. „Er macht eine prima Arbeit“, sagte Bush. Zugleich räumte der Präsident ein, dass der Gegner im Irak die USA zu Änderungen ihrer Taktik gezwungen habe und damit Zeit verloren worden sei. Kriegspläne sähen aber immer gut auf dem Papier aus, „bis man den Feind sieht“.

Einer Umfrage des Magazins „Newsweek“ in der vergangenen Woche zufolge sind 65 US-Bürger mit Bushs Handhabe des Krieges unzufrieden. Bei Anti-Kriegs-Demonstrationen nahm die US-Polizei mehrere Dutzend Demonstranten fest. Vor dem US-Verteidigungsministerium nahm die Polizei 51 Personen in Gewahrsam, als sie versuchten, die Demonstrationsroute zu verlassen. Sie wollten Verteidigungsminister Donald Rumsfeld eine Sarg-Attrappe überreichen und kletterten dabei über einen Absperrzaun der Polizei. Der mit Fotos aus dem Krieg versehene Sarg sollte nach Angaben eines Demonstranten die „massiven Verluste“ der USA im Irak symbolisieren.

Rund 200 Demonstranten beteiligten sich an dem Protestzug vom Lincoln Memorial zum Pentagon, darunter auch die Friedensaktivistin Cindy Sheehan. Sheehans 24-jähriger Sohn wurde im April 2004 als Soldat im Irak getötet. Die Aktivistin wurde weltweit berühmt, als sie wochenlang vor der Ranch von Bush ausharrte.

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