Irak-Einsatz: Neue Misshandlungsvorwürfe gegen britische Soldaten

Irak-Einsatz
Neue Misshandlungsvorwürfe gegen britische Soldaten

Gegen britische Soldaten im Irak sind neue Misshandlungsvorwürfe erhoben worden. Premierminister Tony Blair kündigte eine umfassende Untersuchung an.

HB LONDON/BAGDAD. Fernsehsender strahlten am Sonntag Aufnahmen aus, auf denen zu sehen ist, wie Soldaten mehrere junge Iraker von der Straße auf ein Grundstück abdrängen und mit Fäusten und Knüppeln schlagen. Die Videoaufnahmen wurden auch in arabischen Sendern wie Al Arabija und Al Dschasira ausgestrahlt. Dort wurden diese Ausschnitte zusammen mit Bildern des Skandals um die Gefangenenmisshandlung im Gefängnis von Abu Ghraib durch US-Soldaten gezeigt.

Das Videomaterial war der britischen Zeitung „News of the World“ zugespielt worden. Laut „News of the World“ wurde das Video vor zwei Jahren von einem Stabsgefreiten im Südirak gedreht. Die Redaktion erhielt es nach eigenen Angaben aus den Reihen der britischen Streitkräfte. Der Zeitung zufolge wurde es von einem Soldaten von einem Hausdach aus aufgenommen. Der Kameramann macht sich auf dem Band über die Schreie der Jugendlichen um Gnade lustig und feuert seine Kameraden an. „Ja, ihr ungezogenen kleinen Jungs. Ihr kleinen Arschlöcher, ihr kleinen Arschlöcher. Krepiert“, ruft er.

Der britische Premierminister Tony Blair hat die mutmaßlichen Misshandlungen irakischer Jugendlicher durch britische Soldaten verurteilt und volle Aufklärung zugesichert. „Wir nehmen jeden Vorwurf der Misshandlung sehr ernst“, sagte Blair am Sonntag. Auch das Verteidigungsministerium erklärte, die neuen Vorwürfe würden untersucht. Blair betonte indes, die überragende Mehrheit britischer Soldaten im Irak und anderswo benehme sich korrekt und leiste hervorragende Arbeit. Im vergangenen Jahr wurden nach der Veröffentlichung von Misshandlungsfotos drei Soldaten zu Gefängnisstrafen verurteilt. Andere von der Zeitung „Mirror“ veröffentlichte Bilder stellten sich dagegen später als Fälschungen heraus.

„Das weltweite Ansehen britischer Soldaten muss verteidigt werden, indem die notwendigen Aktionen erfolgen“, sagte am Sonntag Schatzkanzler Gordon Brown, der designierte Nachfolger von Premierminister Tony Blair. Der Sprecher der britischen Truppen im Irak erklärte, die mit dem Video verbundenen Vorwürfe unangebrachter Brutalität beträfen lediglich „eine ganz kleine Zahl der rund 80 000 (britischen) Soldaten, die im Irak gedient haben“ seit 2003 die von den USA angeführte Invasion zum Sturz des Saddam-Regimes begann. „Wir verurteilen jede Form von Misshandlung und Brutalität“, sagte Militärsprecher Chris Thomas in der südirakischen Stadt Basra, wo derzeit rund 8000 britische Soldaten stationiert sind.

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