Irak-Entführung
Botschafter bringt Berlin in Erklärungsnot

Inständig hat die Bundesregierung Medien und Öffentlichkeit darum gebeten, jede Debatte über ein möglicherweise gezahltes Lösegeld für die Freilassung der beiden deutschen Irak-Geiseln zu unterlassen. Ausgerechnet der irakische Botschafter in Deutschland hält sich nicht daran.

HB BERLIN. Bagdads Chefdiplomat in Berlin, Alaa Al-Hashimy, sagte am Mittwoch, er vermute, dass im Zusammenhang mit der Freilassung der Männer „eine Menge Geld“ geflossen sei. Vertreter der irakischen Regierung seien an der Beendigung der Entführung nicht beteiligt gewesen. „Wir haben keine Kontakte zu diesen Gruppierungen“, so Al-Hashimy. Bei den Entführern habe es sich um eine „kriminelle Gruppe“ gehandelt.

Der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Gernot Erler, hatte am Morgen dazu aufgefordert, jede Spekulation zu einem Lösegeld zu unterlassen. Jeder Hinweis in diese Richtung könnte „dazu führen, dass es Nachahmungstäter gibt“. Dies müsse unbedingt vermieden werden. „Leider gibt es diese Spekulationen in der Öffentlichkeit. Sie helfen für den Schutz in künftigen Fällen leider nicht“, sagte der SPD-Politiker. Zugleich rief er dringend dazu auf, die Warnung des Auswärtigen Amtes ernst zu nehmen: „Wir raten allen Geschäftsleuten ab, direkt Mitarbeiter in den Irak zu schicken.“ Die jetzt freigelassenen Sachsen waren im Auftrag ihres Arbeitgebers, des sächsischen Anlagenbauers Cryotec, in das Land gefahren.

Wie schon der irakische Botschafter erklärte Erler, dass die Entführung eher einen kriminellen Hintergrund hatte als einen politischen. Bereits die Analyse der vier Geiselvideos hätte darauf schließen lassen, dass die Kidnapper nicht den „harten“ Terroristen mit politischen Forderungen zuzurechnen seien, sondern der „Geiselindustrie, wie sie sich ja leider im Irak entwickelt hat“. Allerdings sei diese Einordnung der Geiselnehmer „ein bisschen auch eine Chance“ gewesen, weil man an den harten Kern politisch motivierter Geiselnehmer kaum herankommen könne.

Erler erläuterte, die Arbeit im Krisenstab sei nicht immer leicht gewesen. Es habe „eine ganze Reihe von Wochen“ gegeben, „in denen praktisch überhaupt keine brauchbaren Verbindungen in die Nähe der Entführer hergestellt werden konnten.“ Erst vor kurzem sei es gelungen, über Mittelsmänner Kontakte herzustellen.

Rene Bräunlich und Thomas Nitzschke waren am Dienstag nach 99-tägiger Geiselhaft freigekommen. Inzwischen sind die beiden auf einem Sonderflug nach Berlin, wo sie um 14 Uhr landen sollen. Später sollen die Ingenieure nach Leipzig zurückkehren. Ob sie sich dabei den Medien stellen wollen, ist noch offen.

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