Irak-Geiseldrama
Ein Entführer sprach offenbar Deutsch

Die Kidnapper der beiden Deutschen Thomas Nitzschke und Rene Bräunlich hatten offenbar keine Mühe, die Ereignisse in der Heimat ihrer Geiseln zu verfolgen: Nach Angaben der Bundesregierung konnte mindestens ein Entführer Deutsch. Dass für die Freilassung Lösegeld floss, hat Berlin unterdessen bestritten.

HB BERLIN. „Wir haben Hinweise, dass einer der Entführer Deutsch konnte“, sagte Kanzleramtsminister Thomas de Maiziere dem MDR. Die Täter seien dadurch stets auf dem neuesten Stand der öffentliche Debatte und der öffentlichen Bemühungen um die Freilassung ihrer Opfer gewesen. Einzelheiten nannte der CDU-Politiker nicht.

Die zwei Männer waren am Dienstag nach 99 Tagen in der Hand von Entführern im Irak frei gekommen. Nach Informationen der Bild-Zeitung wurden sie in einem Erdloch gefangen gehalten, das mit Brettern abgesichert gewesen sei. Dienstagmittag seien beide von einem sunnitischen Vermittler abgeholt worden. Der Kontaktmann habe dafür gesorgt, dass sich beide duschen und rasieren konnten, bevor sie zur Botschaft im 200 Kilometer entfernten Bagdad gebracht wurden. Als erstes hätten sie Botschafter Bernd Erbel um ein kühles Bier gebeten und nach der Bundesliga und dem Wetter daheim gefragt. Erbel habe ihnen bei paar Flaschen „Corona“ Auskunft gegeben.

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Der Leiter des Krisenstabs im Auswärtigen Amt, Reinhard Silberberg, bestritt unterdessen vehement, dass Deutschland für die Freilassung der beiden Sachsen Lösegeld bezahlte. „Die Bundesregierung lässt sich nicht erpressen. Es ist unser klarer Grundsatz, dass die Bundesregierung Lösegeldzahlungen ablehnt“, sagte Silberberg, der im Auswärtigen Amt einen Staatssekretärs-Posten bekleidet.

Außenamt-Staatsminister Gernot Erler hatte nach der Freilassung der beiden Techniker von einem kriminellen Hintergrund der Tat gesprochen und damit der Debatte über angebliche Lösegeldzahlungen neue Nahrung gegeben. Der irakische Botschafter in Deutschland, Alaa Al-Hashimy, heizte dieses Diskussion zusätzlich an, indem er sagte, er vermute, dass im Zusammenhang mit der Freilassung der Männer „eine Menge Geld“ geflossen sei. Nach Medienberichten sollen die Entführer zunächst eine Summe von 40 Millionen Dollar gefordert haben.

CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla lehnte es ab, Firmen zur Kasse zu bitten, deren Mitarbeiter aus Geiselhaft freikommen. Pofalla sagte der „Neuen Osnabrücker Zeitung“, die Debatte darüber nach der Rückkehr von René Bräunlich und Thomas Nitzschke sei „typisch deutsch“. Es sei falsch, international operierende Unternehmen noch zusätzlich zu belasten: „Statt uns darüber zu freuen, dass nach 99 Tagen Menschen wieder in Freiheit sind, erörtern wir Abrechnungsfragen. Die stehen wirklich nicht im Vordergrund.“ Nitzschke und Bräunlich waren von ihrem Arbeitgeber, dem Anlagenbauer Cryotec, in den Irak geschickt worden.

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