Irak
Geiselhaft war kein menschenunwürdiges Martyrium

Von wegen Erdloch: Die beiden sächsischen Irak-Geiseln sind wohl doch in einem überirdischen Raum eingesperrt gewesen und nicht in einem unterirdischen Verlies und dabei vergleichsweise gut behandelt worden. Der SPD-Linke Ottmar Schreiner sorgt unterdessen mit einer bizarren Idee für Kopfschütteln.

HB BERLIN. Die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet unter Berufung auf Sicherheitskreise, Rene Bräunlich und Thomas Nitzschke seien in einem Raum eines Hauses eingesperrt gewesen und den Umständen entsprechend menschlich behandelt worden. Sie seien weder geschlagen noch bedroht worden und hätten ausreichend zu essen und zu trinken erhalten. Auch frisches Obst hätten sie bekommen. Der Bericht der „Bild“-Zeitung, beide seien in einem Erdloch festgehalten worden, wäre demnach eine Ente.

Bräunlich und Nitzschke werden voraussichtlich auch das ganze Wochenende noch an einem von der Öffentlichkeit abgeschirmten geheimen Ort mit ihren Familien verbringen. Das berichtet die Nachrichtenagentur AP. Offen blieb, ob die beiden nach 99-tägiger Geiselhaft in Irak befreiten Ingenieure am Montag am Dankgottesdienst in der Leipziger Nikolaikirche teilnehmen werden.

Der stellvertretende Regierungssprecher Thomas Steg wies unterdessen eine Forderung des SPD-Bundestagsabgeordneten Ottmar Schreiner zurück, die deutsche Wirtschaft solle eine Lösegeldfonds für im Ausland entführte Mitarbeiter einrichten. Steg nannte die Idee „absurd“ und „abstrus“. Die Bundesregierung sei nicht erpressbar und reagiere auf Lösegeldforderungen nicht, sagte Steg. Es sei ihm „völlig unbegreiflich“, wie Schreiner zu einem solchen Vorschlag komme. Schreiner hatte seinen Vorschlag in der „Bild“-Zeitung damit begründet, dass deutsche Unternehmen, die ihr Geld in gefährlichen Ländern wie dem Irak verdienten, das Risiko nicht allein beim Steuerzahler abladen dürften.

Der Arbeitgeber der beiden ehemaligen Geiseln, die Firma Cryotec, will sich an eventuellen Kosten der Befreiung beteiligen. „Über Lösegeld spekuliere ich nicht - genau wie die Bundesregierung“, sagte der Geschäftsführer des Anlagenbauunternehmens, Peter Bienert. „Aber wenn es Forderungen zur Erstattung von Hotel- und Rückführungskosten gibt, werden wir unserer Verantwortung nachkommen und zahlen“, erklärte er. Zuvor hatte Bienert erklärt, Cryotec werde keine Mitarbeiter mehr in den Irak schicken. Vielmehr werde man Servicefirmen aus dem Land selbst ausbilden, die dann vor Ort die Arbeiten übernehmen könnten.

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