Irak-Geiseln
Al Dschasiras „umgekehrte“ Videobotschaft

Einheimische und muslimische Bewohner von Leipzig haben es mit einer Mahnwache für die Irak-Geiseln Rene Bräunlich und Thomas Nitzschke geschafft, den arabischen Fernsehsender Al Dschasira anzulocken. Der Beitrag wurde inzwischen ausgestrahlt - nun hofft man in Leipzig, dass die Kidnapper davon erfahren.

HB LEIPZIG. Auf dem Platz vor der Leipziger Nikolaikirche fanden sich am Donnerstagabend rund 1500 Menschen ein, um an das Schicksal der beiden entführten Ingenieure Rene Bräunlich und Thomas Nitzschke zu erinnern. Viele hielten Kerzen in den Händen. In der Stadt lebende Muslime trugen Transparente, auf denen die sofortige Freilassung der beiden gefordert wurde. Viele trugen Bänder in der grünen Farbe des Islam, was als Zeichen der Solidarität gedacht war. An der Mahnwache nahmen erneut Angehörige und Arbeitskollegen der Entführten teil.

Viel Aufmerksamkeit erregte ein Fernsehteam des arabischen Senders Al Dschasira. Deutschland-Korrespondent Aktham Suliman sagte, man wolle in der arabischen Welt zeigen, was für eine Stimmung in Leipzig herrsche und welche Auswirkungen „eine solche Tat“ hat. Er drückte die Hoffnung aus, dass die Bilder aus Sachsen im Irak Leute erreichen, die etwas für die Entführten tun könnten. „Bei der breiten Masse der Menschen im Irak kommen solche Bilder jedenfalls an“, erklärte Suliman. Mit Berichten aus Deutschland könne man die Menschen im Irak daran erinnern, dass die Deutschen sich nicht am Krieg gegen ihr Land beteiligt hätten. Nach Auskunft des Berliner Büros von Al Dschasira wurde der Beitrag inzwischen ausgestrahlt.

Peter Bienert, Geschäftsführer des Anlagenbauers Cryotec, bei dem Bräunlich und Nitzschke arbeiten, freute sich über die Anwesenheit von Al Dschasira. „Das ist der direkte Draht zu den Menschen im Irak“, meinte Bienert. Dadurch komme das Zeichen, das man als Unternehmen gemeinsam mit den Angehörigen der Geiseln setzen wolle, dort auch an. Auch wenn sich Meldungen über eine baldige Freilassung der Entführten bisher nicht bestätigt hätten, gebe man die Hoffnung nicht auf. „Wenn es nötig ist, werden wir jeden Montag und Donnerstag hier stehen, um zu bewegen, was von Deutschland aus zu bewegen ist“, kündigte Bienert an.

Bei der Mahnwache wurde ein Brief des Pfarrers der Leipziger Nikolaikirche, Christian Führer, an Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier unterschrieben. Darin wird um „Mut zu ungewöhnlichen Schritten“ in der Geiselkrise und um „außergewöhnliche Zugeständnisse“ gebeten.

Cryotec will sich trotz der Entführung weiter im Irak engagieren. Prokuristin Karin Berndt sagte: „Wir wollen uns an einer Ausschreibung der Weltgesundheitsorganisation für drei Anlagen in Krankenhäusern beteiligen und bereiten dazu unsere Bewerbung vor“. Eigene Mitarbeiter will das Unternehmen aber vorerst nicht in den Irak schicken. „Wir arbeiten an einem neuen Konzept“, sagte Berndt.

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