Irak-Geiseln: Eindringliche Appelle an Entführer

Irak-Geiseln
Eindringliche Appelle an Entführer

Kurz vor Ablauf des 72-Stunden-Ultimatums haben sich die Spitzen aus Politik und Wirtschaft für die beiden Ingenieure eingesetzt. Bundespräsident Horst Köhler bat ebenso um ihre Freilassung wie Außenminister Frank-Walter Steinmeier, der sich in einer Fernsehbotschaft an die Entführer wandte.

HB BERLIN. „Bundeskanzlerin Merkel und ich appellieren an Sie - auch im Namen aller Deutschen - Thomas Nitzschke und Rene Bräunlich unversehrt freizulassen“, sagte Steinmeier in einem direkten Appell an die Entführer, der am Freitag vom arabischen Fernsehsender Al-Dschasira ausgestrahlt wurde. Der Minister erinnerte an den Appell der Mütter der beiden Ingenieure aus Sachsen vom Vortag, ihre Söhne freizulassen. „Ich appelliere an die Entführer, berücksichtigen Sie das Leid der Familie.“ Nitzschke und Bräunlich seien im Irak gewesen, um zur Verbesserung der Lebensverhältnisse der Iraker beizutragen.

Steinmeier zufolge hat die Bundesregierung immer noch keinen direkten Kontakt zu den Entführern. Kanzlerin Angela Merkel nannte die Situation sehr ernst. Steinmeiers Aufruf wurde vom ZDF aufgezeichnet und sollte am Nachmittag vom arabischen Sender Al Dschasira ausgestrahlt werden. Den Wortlaut der Erklärung wollte das Ministerium nach der Ausstrahlung bekannt geben.

Der Minister appellierte an die Entführer, seiner Bitte schnellstmöglich nachzukommen. Der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Gernot Erler, sagte: „Im Augenblick suchen wir immer noch nach einem Ansprechpartner, um überhaupt in Verhandlungen eintreten zu können.“

Zudem drückte der Steinmeier die Sorge aus, dass der internationale Streit um die dänischen Mohammed-Karikaturen die Bemühungen um eine Freilassung der deutschen Ingenieure belasten könnte. Die Versuche, Kontakt mit den Entführern zu bekommen, seien davon nach seiner Einschätzung nicht betroffen.

„Aber sicher ist richtig, das haben wir gestern bei den Eruptionen in den palästinensischen Gebieten gespürt, dass dieser Karikaturen-Streit Einfluss auf die Stimmung der arabischen Ländern hat“, sagte Steinmeier. „Wir geben uns alle Mühe, um das in den nächsten Tagen zu dämpfen.“

Die Ingenieure Thomas Nitzschke und René Bräunlich aus Sachsen waren am Dienstag vergangener Woche verschleppt worden. In einem am Dienstag dieser Woche ebenfalls auf Al Dschasira veröffentlichten Video hatten die Geiselnehmer später ein Ultimatum gestellt und mit ihrer Ermordung gedroht, falls nicht politische Forderungen binnen 72 Stunden erfüllt würden. Die Bundesregierung wollte nicht darüber spekulieren, wann die Frist begonnen habe und ablaufen könnte. Vom Zeitpunkt der Ausstrahlung an gerechnet lief sie Freitagabend ab.

Bundespräsident Horst Köhler sagte, er betrachte die Entwicklung „mit großer Sorge“. Sein ganzes Mitgefühl gelte den Familien und Müttern. Der Bundespräsident zeigte sich überzeugt, dass die Regierung und der Krisenstab alles versuchten, um die Geiseln wieder in Freiheit zu bekommen.

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