Irak
IS erbeutet US-Waffen in Ramadi

Irakische Soldaten auf der Flucht lassen Panzer und Artillerie stehen: Auf diese Weise kommt die Terrormiliz IS an Waffen, die eigentlich gegen sie gerichtet werden sollten. Nun steht eine neue Schlacht um Ramadi bevor.
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Washington/BagdadDie Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat bei der Einnahme Ramadis von den irakischen Truppen US-Panzer, Artillerie und andere Waffen erbeutet. Das bestätigte das US-Verteidigungsministerium am Dienstag.

Pentagonsprecher Steve Warren sagte, es handele sich um ein halbes Dutzend Panzer, ebenso viele Artillerie, einer größeren Zahl Schützenpanzer und rund 100 Fahrzeuge wie dem Geländewagen Humvee. Einige der Fahrzeuge seien einsatzbereit, andere nicht, weil sie seit Monaten nicht bewegt worden seien.

Die Flucht der irakischen Regierungstruppen aus Ramadi unter Zurücklassung schwerer Waffen folgt dem Muster vom vergangenen Jahr, als dem IS auf seinem Siegeszug durch Nordirak viele Waffen in die Hände fielen. Die USA sahen sich veranlasst, diese in Luftangriffen zu zerstören. Warren sagte, die fliehende Soldaten hätten am Sonntag die Waffen zerstören sollen, die sie zurücklassen. „Das ist in diesem Fall nicht geschehen.“

Warren, ein Oberst, äußerte sich auch zu den Chancen der Regierungstruppen, Ramadi zurück zu erobern: „Das wird schwierig.“

Vorbereitung auf Schlacht um Ramadi

Dennoch bereiten sich sowohl die Soldaten als auch IS-Kämpfer auf eine neue Schlacht um die strategisch wichtige Stadt vor. Während die Armee am Dienstag Panzer und Artillerie-Geschütze um den Ort in der Provinz Anbar in Stellung brachte, legten die Islamisten nach Angaben von Augenzeugen Minenfelder an und errichteten Verteidigungsanlagen.

Ein Vertreter der örtlichen Regierung rief die Bevölkerung auf, sich während der Kämpfe gegen den IS zu erheben. Aufseiten der Armee stehen auch Tausende schiitische Milizionäre bereit, die Stadt zurückzuerobern. Sie sprachen von einer bevorstehenden "Schlacht um Anbar".

Der IS hatte am Sonntag Ramadi eingenommen und damit der irakischen Regierung und ihren US-geführten Verbündeten eine deutliche Niederlage zugefügt. Insbesondere in den USA ist der Einsatz der schiitischen Milizen gegen den sunnitischen IS umstritten, da sie vom Iran unterstützt werden.

Zudem wird befürchtet, dass aus dem Kampf gegen den IS ein offener Konflikt zwischen den beiden islamischen Glaubensrichtungen werden könnte. Allerdings ist die irakische Armee nicht stark genug, um allein gegen die Islamisten bestehen zu können.

Ein Sprecher der US-Regierung betonte am Dienstag, die schiitischen Kämpfer stünden unter dem Kommando der irakischen Regierung. Die USA unterstützten in dieser Konstellation ihren Einsatz. Nach dem Fall von Ramadi war aus amerikanischen Regierungskreisen verlautet, der Irak habe keine wirkliche Alternative dazu. "Man muss mit der Armee kämpfen, die man hat", sagte ein Insider. "Und das ist die Armee, die sie haben."

Agentur
ap 
Associated Press / Nachrichtenagentur
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Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Irak: IS erbeutet US-Waffen in Ramadi"

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  • Heftig. Die USA rüsteten die irakische Armee bis an die Zähne aus. Einfach so, hier bitte, für euch.
    Diese "Armee" ist derart desolat und unorganisiert, das kann man sich kaum vorstellen. Vor allem gegenüber einem Feind wie dem IS, gut organisiert, technisiert, moralisch stark.

    Und die Iraker? Die Soldaten leben am Rand der Gesellschaft. Raketen kann man nicht essen. Also verscherbeln sie die Waffen, Offiziere gleich in großem Stil, oder man flüchtet panisch, hinterlässt das gesamte moderne Arsenal. Wie in Afrika jeden Tag passiert, nur hier mit modernstem Equipment statt rostiger Kalashnikovs. Konnten vielleicht auch einfach nicht damit umgehen... ich wette der IS hat das knowhow einen Abrahms oder MANPADS zu bedienen.

    Wer wie wen unterstützt, direkt oder indirekt oder geheim oder durch bewusste Fahrlässigkeit... ein Moloch der vielleicht in Jahrzehnten entwirrt wird, oder nie.
    USA, Russen, Saudis, Milizen, das wer-kennt-wen in globalem Waffenschieben. Und Militärtaktik. Und Insiderinformationen. Meine Güte. Dass die USA im nahen Osten Marionettenkrieg gegen die UdSSR gespielt haben, die Spitze des Eisbergs.

    Das Problem mit dem IS: Die Jungs sind nicht nur top motiviert, brilliant im Aquirieren von jungen Hitzköpfen, nein auch im Hintergrund sehr schlau. Die Offiziere sitzen nicht in Höhlen und palavern in Webcams. Da ist Zug dahinter. Taktik. Wenig Kamikaze, dafür Aufklärung. Gezielte Angriffe, und Ausnutzen von Schwächen. Und Schwächen gibt es jede Menge, die aktiv kämpfenden Teile der Anti-IS-Allianz sind nur ein bunter Haufen zusammengewürfelter Soldaten von nah und fern, die meist ihre eigenen Gewehre mitbringen. Und "der Haufen" hat keine Waffenlobby mit dickem Geldbeutel!

    Dem Westen ist das alles zu heikel. 9/11, Vietnam, Golfkrieg. Rotes Tuch klassischer Kriegsführung... also schiebt man lieber Equipment in die Region, greift offensichtliche Ziele am Bildschirm an und drückt die Daumen. Gefundenes Fressen für den IS. Und wir wundern uns...

  • Na immerhin unternehmen die Yankees wenigstens was gegen den IS, im Gegensatz zu den Russen, die mit ihrer Blockade im UN Sicherheitsrat maßgeblich zu dieser Entwicklung beigetragen haben. Das Leid der Zivilbevölkerung nehmen die Russen zu gunsten ihrer Waffengeschäfte und politischen Ziele im Nahen Osten billigend in Kauf.

  • Das wird die USA mächtig stören. Am Anfang habe sie ja gerne Waffen an die IS verkauft. US-Politiker haben sich ja sogar mit der Zusammenarbeit mit der IS gebrüstet.

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