Irak: IS zerstört offenbar assyrische Königsfestung

Irak
IS zerstört offenbar assyrische Königsfestung

Erst Nimrod, dann Hatra und nun womöglich Chorsabad: Die Terrormiliz wütet gegen Zeugnisse aus vorislamischer Zeit bei Mossul und hat nun offenbar die assyrische Königsfestung zerstört. Bagdad hält sich noch bedeckt.
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BagdadDie Terrormiliz IS setzt offenbar die Zerstörung von kulturellen Zeugnissen aus vorislamischer Zeit in der Umgebung von Mossul fort. Nach den Verwüstungen der Weltkulturerbe-Stätten Nimrod und Hatra am Freitag und Samstag wurde am Sonntag der Beginn der Zerstörung der assyrischen Königsfestung Chorsabad gemeldet. Die irakische Regierung bestätigte das zunächst nicht, erklärte aber ihre Sorge, dass es dazu kommen könnte.

Der kurdische Beamte Said Mamusini in Mossul sagte der Nachrichtenagentur AP, die Extremisten hätten die Zerstörung in Chorsabad am Sonntag begonnen. Er berief sich auf mehrere Augenzeugen. Mamusini hatte am Samstag auch die Zerstörung Hatras gemeldet. Der irakische Minister für Tourismus und Altertümer, Adel Schirschab, sagte der Nachrichtenagentur AP dagegen lediglich, es gebe Hinweise, dass die Extremisten Artefakte aus Chorsabad 15 Kilometer nordöstlich von Mossul entfernen und die mehr als 2000 Jahre alte Festung zerstören wollen. Auf einer Pressekonferenz forderte er eine außerordentliche Sitzung des Weltsicherheitsrats zur Lage im Irak.

Chorsabad wurde vom assyrischen König Sargon II. 721 vor Christus als Königsstadt gegründet, nach seinem Tod 705 vor Christus aber aufgegeben. Skulpturen und andere Kunstwerke aus der in assyrischer Sprache Dur Scharukin - Landfestung des Sargon - genannten Stätte sind in Museen in Bagdad, Paris, London und Chicago ausgestellt. Chorsabad gilt als wichtige Stätte für assyrische Kunst und Architektur.

Das 3000 Jahre alte Nimrod liegt 30 Kilometer südöstlich, das antike Hatra 110 Kilometer südwestlich von Mossul. Auch in Mossul selbst hat der IS bereits Kulturdenkmäler zerstört.

Die UN-Kulturorganisation Unesco und die Islamische Kulturorganisation Isesco verurteilten in einer gemeinsamen Erklärung das Vorgehen des IS als Wendepunkt in einer „abscheulichen Strategie der kulturelle Säuberung, die in Irak stattfindet“. „Mit der jüngsten Barbarei gegen Hatra zeigt sich die Verachtung (des IS) für die Geschichte und das Erbe des arabischen Volkes.“ UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hatte die Zerstörung Nimrods am Freitag als Kriegsverbrechen bezeichnet.

Die Offensive der irakischen Regierung zur Rückeroberung der zwischen Bagdad und Mossul gelegenen Stadt Tikrit schien unterdessen ins Stocken geraten zu sein. US-Generalstabschef Martin Dempsey zeigte sich dennoch optimistisch, dass der IS letztendlich aus der Heimatstadt des früheren Diktators Saddam Hussein vertrieben werden könne.

Der Bagdader Archäologe Dschunaid Amer Habib sagte, die Zerstörung archäologischer Stätten und Artefakte könne eine Aktion des IS sein, um den Raub und Schmuggel wertvoller Kulturgüter zu überdecken. „Diese geplünderten Artefakte sind eine Haupteinnahmequelle des IS, der knapp bei Kasse ist“, sagte er.

Agentur
ap 
Associated Press / Nachrichtenagentur

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