Irak-Konflikt
Was kostet uns ein Flächenbrand im Irak?

Der Krieg im Irak ist eine menschliche Katastrophe. Er könnte auch zu einem wirtschaftlichen Problem für den Rest der Welt werden. In der wichtigsten Ölregion droht ein Flächenbrand. Das hätte schwere Folgen.
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Die schweren Unruhen im Irak alarmieren die arabischen Nachbarländer. Die Türkei, der Iran und auch Saudi-Arabien haben ihre eigenen Interessen in dieser Situation. Die Türkei bangt um das Schicksal von 80 türkischen Geiseln, die von den Radikalislamisten festgehalten werden. Sie muss fürchten, dass das direkte Nachbarland zur Basis für islamische Terroristen wird.

Das schiitische Mullah Regime im Iran unterhält enge Verbindungen zur mehrheitlich schiitischen irakischen Regierung. Irans Präsident Hassan Ruhani hat dem Irak bereits die uneingeschränkte Solidarität im Kampf gegen die radikalislamische Terrorgruppe Isis zugesagt. Das saudische Königshaus wiederum gehört der sunnitischen Glaubensrichtung des Islams an.

Aufständische der radikal-sunnitischen Organisation Islamischer Staat im Irak und in Syrien (Isis) hatten in den vergangenen Tagen zunächst die nördliche Millionenstadt Mossul und dann die gesamte Provinz Ninive sowie weitere Städte und Regionen im Norden des Landes erobert. Sie rückten am Freitag weiter auf die Hauptstadt Bagdad vor. Im Irak treffen mit Sunniten, Schiiten und Kurden drei große Glaubensrichtungen aufeinander. Deshalb könnte ein Bürgerkrieg im Irak den gesamten Nahen Osten destabilisieren.

Dies hätte auch wirtschaftliche Konsequenzen. „Der Konflikt im Irak könnte die Angst vor einem Flächenbrand im Nahen Osten schüren. Dies würde den Ölpreis stark beeinflussen,“ sagt Sylvain Broyer, Chefvolkswirt der französischen Investmentbank Natixis. Er geht davon aus, dass es ab einem kurzfristigen Ölpreisanstieg von 10 Euro pro Barrel stärkere Effekte für die Weltkonjunktur geben würde.

Und noch ist es nicht so weit. Im Juni ist der Ölpreis bislang um rund vier Dollar gestiegen. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Juli erreichte am Freitag zeitweise mit 114,69 Dollar den höchsten Stand seit neun Monaten. Der Ölmarkt reagiert seit Tagen mit großer Nervosität auf die Kämpfe im Irak, einem Mitglied der Organisation erdölexportierender Länder (Opec).

Auch die Investoren an den Devisen- und Aktienmärkte zeigten sich besorgt. Die Unruhen im Irak trieben Anleger in als sicher geltende Währungen wie den US-Dollar. Auf den Aktienmärkten in Europa kam es zu Verlusten. Aus Sicht von Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer sind die westlichen Länder zwar wirtschaftlich kaum von der Tragödie im Irak und Syrien betroffen. Doch auch er warnt: „Wenn die Situation weiter eskaliert, würde der Ölpreis massiv steigen.“

Der Irak ist nach Saudi-Arabien der zweitgrößte Ölproduzent der Welt. Die irakische Ölförderung liegt bei rund 3,5 Millionen Fass Rohöl. Krämer erwartet: „Wenn die weltweit geförderte Menge um eine Millionen Fass sänke, würde sich der Ölpreis um fünf bis zehn Dollar verteuern.“

Noch hat es keine dramatischen Ausfälle in der irakischen Ölproduktion gegeben. Der Großteil der irakischen Ölexporte läuft über den sicheren Süden des Landes. Die entscheidende Frage ist deshalb: Wie lange bleibt der Süden von den Konflikten verschont? „Wenn sich die Lage weiter zuspitzt und die Ölproduktion im Süden des Landes Schaden nimmt, dürfte der Ölpreis deutlich anziehen,“ sagt Jörg Krämer. Der rasche Vormarsch der radikal-islamischen Milizen zeige, wie labil die Staaten in der Region seien. Die wirtschaftlichen Fortschritte im Norden und im Süden des Irak seien bedroht. Welche wirtschaftlichen Folgen der Irak-Konflikt hat, hängt davon ab, ob sich die Unruhen in andere Landesteile ausweiten und wie die Nachbarstaaten reagieren.

Dietmar Neuerer
Dietmar Neuerer
Handelsblatt / Reporter Politik
Mallien Jan
Jan Mallien
Handelsblatt / Geldpolitischer Korrespondent

Kommentare zu " Irak-Konflikt: Was kostet uns ein Flächenbrand im Irak?"

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  • So klingt es aber im mainstream besser. Außerdem schreibt da doch eh nur einer vom anderen ab - Oder.
    Und außerdem sabotiert man gerade die Beziehungen zum zweitgrößten Ölproduzent.

  • "Warum berichten die Systemmedien nicht über diese Söldnerkriege?"

    Es ist heutzutage allgemein üblich, einen auf doof zu machen, obwohl man moralisch oder funktionell Verantwortung und optimale Erfüllung seiner Aufgabe gegen Entgelt übernommen hat. Besonders "gut" ist dieses Verhalten bei Politikern und Systemmedien ausgeprägt. Erst mal auf Tauchstation und wenn keine Gefahr mehr droht, da weiter zu machen, was vorher ebenso unwichtig war.
    Warum hat der Herr nicht bei solchen Kreaturen die Geißeln der Menschheit zunächst angesetzt?

  • "Der Irak ist nach Saudi-Arabien der zweitgrößte Ölproduzent der Welt. "

    Nein, ist er nicht.

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