Irak-Krieg
Berlusconi gibt sich als Friedensengel

Der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi will es wieder besser gewusst haben: Nach eigenen Worten hatte er George W. Bush vor dem Irak-Krieg mehrfach vor einer Invasion gewarnt. „Ich habe wiederholt versucht, den amerikanischen Präsidenten von einem Krieg abzubringen“, sagte er. Bush reagierte wenig amüsiert.

HB WASHINGTON. „Ich war noch nie davon überzeugt, dass Krieg der beste Weg ist, einem Land zur Demokratie zu verhelfen und ihm beim Abschütteln einer Diktatur zu helfen, selbst dann, wenn es sich um eine blutige (Tyrannei) handelt", sagte Berlusconi vor seinem Besuch in Washington am Montag. Er habe unter anderem auch gemeinsam mit dem libyschen Staatschef Muammar el Gaddafi nach anderen Wegen und Lösungen gesucht - ohne Erfolg.

Italien gilt als einer der engsten Verbündeten der USA und hat rund 3000 Soldaten im Irak stationiert. Beobachter und Oppositionspolitiker werteten die Aussagen Berlusconis als Wahlkampfmanöver mit Blick auf die Parlamentswahlen im Frühling 2006. Der Großteil der Italiener war stets gegen einen Truppeneinsatz im Irak.

Bush sagte angesichts der Äußerungen Berlusconis die gemeinsame Pressekonferenz während dessen USA-Besuch kurzfristig ab. Mit der Absage wolle Bush zudem vermeiden, vor der Presse auf Fragen zur Anklage des Regierungsberaters Lewis Libby im Skandal um die Enttarnung einer CIA-Agentin antworten zu müssen, schrieb die Zeitung „Il Messaggero“. Im Mittelpunkt der Gespräche von Bush und Berlusconi sollte der Truppenabzug aus dem Irak stehen. Aber auch Iran und Nahost seien als Themen vorgesehen, hieß es.

Das US-Verteidigungsministerium hat indes erstmals Schätzungen der Zahl ziviler Opfer im Irak veröffentlicht. Die Angaben sind nach einem Bericht der „New York Times“ vom Sonntag in einem jüngsten Report an den Kongress enthalten - unauffällig in einem einzelnen Absatz. Aufgeführt wurden Opfer unter den Zivilisten und Sicherheitskräften durch den Aufstand, das heißt also nicht Opfer durch den Einsatz von US-Soldaten und verbündeter Truppen im Irak.

Pro Tag 63 tote Iraker

Danach ist die Zahl der Toten und Verletzten durch die Rebellen seit Anfang 2004 stetig gestiegen. In den ersten Monaten vergangenen Jahres sind es nach Angaben der Zeitung pro Tag durchschnittlich 26 Menschen, dann 40, im Jahr 2005 zunächst 53 und schließlich 63. Hochgerechnet ergebe dies eine Gesamtzahl von 25 902 getöteten oder verletzten Irakern.

Die „New York Times“ führte weiter eine Analyse von Hamit Dardagan für die Organisation „Iraq Body Count“ an, die Statistiken über zivile Opfer im Irak zusammenstellt. Danach kämen auf jeden getöteten Iraker drei Verletzte. Damit liege die Totenzahl gemessen an den Pentagonangaben hochgerechnet bei 6475. Eine unabhängige Berechnung der Organisation selbst habe demgegenüber 11 163 Todesopfer ergeben.

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