Irak
Proteste zum Jahrestag des Saddam-Sturzes

Zum vierten Jahrestag des US-Einmarsches in Bagdad sind am Montag Zehntausende Iraker einem Aufruf des radikalen Schiiten-Predigers Moktada al-Sadr zu anti-amerikanischen Protesten gefolgt.

HB NADSCHAF. Mit Parolen wie „Nein zur Besatzung, Nein zu Amerika“ zogen die Demonstranten durch die Stadt Nadschaf. Überwiegend junge Männer schwenkten irakische Fahnen und verbrannten die US-Flagge. In Bagdad verhängte die Regierung ein Fahrverbot, um Autobombenanschläge am Jahrestag zu verhindern. Bei einem solchen Attentat starben erst am Sonntag südlich der Hauptstadt drei US-Soldaten. Insgesamt wurden bei Anschlägen und Gefechten während der Osterfeiertage erneut dutzende Menschen getötet, darunter mindestens zehn US-Soldaten. Papst Benedikt beklagte in seiner Osterbotschaft ein „unaufhörliche Gemetzel“ im Irak.

„Geht hinaus und demonstriert, um die Besatzung zu beenden“, erklärte Sadr, der bei den Protesten selbst nicht auftrat, in seinem Aufruf. Daraufhin machten sich Demonstranten mit Bussen und Autos auf in die den Schiiten heilige Stadt. Die Straße zwischen Bagdad und Nadschaf war zeitweise mit hunderten Fahrzeugen vollgestopft. Auch in Bagdad bereiteten sich die Sicherheitsbehörden auf Protestkundgebungen vor.

Sadr, der in der ärmeren schiitischen Stadtbevölkerung große Sympathien genießt, macht die US-Invasion für die unerbittliche Gewalt im Irak verantwortlich. Kämpfer seiner Mehdi-Miliz haben sich wiederholt Gefechte mit den irakischen Sicherheitskräften und US-Truppen geliefert, zuletzt am Wochenende in der Stadt Diwanija. Das US-Verteidigungsministerium hat Sadrs Miliz als größte Bedrohung für den Frieden im Irak bezeichnet.

Seit Beginn der Invasion kamen Zehntausende Iraker und etwa 3300 US-Soldaten ums Leben. Südlich von Bagdad starben am Sonntag vier Mitglieder der US-Armee bei Angriffen, zwei weitere wurden bei Gefechten nördlich der Hauptstadt getötet. US-Präsident George W. Bush sagte nach einem Gottesdienstbesuch am Sonntag, er habe für die Sicherheit der US-Soldaten und ihre Familien gebetet.

Großbritannien, das bislang 140 getötete Soldaten zu beklagen hat, könnte einem Zeitungsbericht zufolge seine Truppen noch mindestens fünf Jahre im Irak lassen. Das berichtete der „Sunday Telegraph“ unter Berufung auf Militärunterlagen. Eine Sprecherin des Verteidigungsministeriums sagte dazu, das Militär bereite sich langfristig auf alle Eventualitäten vor. Dies bedeute aber nicht, dass diese dann auch alle eintreten.

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