Irak
Saddam soll bis Samstag hängen

Die Anzeichen für eine baldige Hinrichtung Saddam Husseins mehren sich. Nach ersten entsprechenden US-Berichten kündigte jetzt auch ein irakischer Richter an, der Ex-Diktator werde spätestens am Samstag gehängt. Laut Nachrichtensender CNN haben die Amerikaner ihn bereits an die irakischen Behörden übergeben.

HB BAGDAD. Vieles spricht mittlerweile dafür, dass das Todesurteil für Saddam Hussein schon sehr bald vollzogen wird. Am späten Freitagnachmittag meldete sich ein irakischer Richter, der erklärte, die Hinrichtung werde „spätestens am Samstag“ sein. Aus ranghohen irakischen Kreisen verlautete, Saddam könne auch schon innerhalb der nächsten Stunden gehängt werden.

Der US-Nachrichtensender CNN meldete unter Berufung auf einer US-Behörde, der Ex-Präsident sei bereits aus US-Gewahrsam an die irakischen Behörden übergeben worden. Das US-Militär hatte zuvor die Anwälte Saddams aufgefordert, dessen persönliche Habe und die seines ebenfalls zum Tode verurteilten Halbbruders Barsan al-Tikriti aus der Zelle zu holen. Die Amerikaner bewachen Saddam seit seiner Entdeckung in einem Erdloch Ende 2003.

"All diese Anzeichen sprechen dafür, dass er möglicherweise morgen hingerichtet wird", sagte Najib Naimi, früherer Justizminister Katars, unter Berufung auf Saddams Anwalt Khalil al-Dulaimi dem arabischen TV-Sender al-Dschasira. Schon seit Tagen wird über den Termin der Exekution spekuliert.

Ein irakisches Regierungsmitglied hatte zunächst erklärt, mehrere Feiertage könnten die Exekution verzögern. Sie fallen mit dem Pilgerzug nach Mekka zusammen und dauern von Freitag bis zum 7. Januar. Im Irak sind Hinrichtungen an religiösen Feiertagen verboten.

Heute erklärte allerdings auch der irakische Ministerpräsident Nuri al-Maliki, es gebe keinen Weg zurück mehr. Saddam werde hingerichtet und es werde keine Verzögerung geben.

Das Oberste irakische Kriminalgericht hatte am Donnerstag mit der Veröffentlichung des Todesurteils gegen den irakischen Ex-Präsidenten das Vollstreckungsverfahren eingeleitet. Wegen eines Massakers an Schiiten in den achtziger Jahren war Saddam am 5. November zum Tod durch den Strang verurteilt worden. Am vergangenen Dienstag hatte ein Berufungsgericht das Urteil bestätigt.

Widersprüchliche Angaben gab es über einen Besuch von Verwandten bei dem Todeskandidaten. Einer seiner Verteidiger sagte, zwei seiner Halbbrüder hätten ihn am Donnerstag besucht. Saddam Hussein habe ihnen dabei sein Testament übergeben. Während das Treffen vom irakischen Verteidigungsministerium bestätigt wurde, kam vom Sondertribunal, das das Todesurteil verhängt hatte, ein Dementi.

Warnungen vor Zunahme der Gewalt im Irak

Der jemenitische Ministerpräsident, Abdelkadir Ba Dschammal, appellierte an US-Präsident George W. Busch und das irakische Staatsoberhaupt Dschalal Talabani, Saddams Hinrichtung zu verhindern. Die Vollstreckung des Todesurteils werde zur Zunahme der Gewalt im Irak führen und „negative Auswirkungen“ für die USA in der Region haben, schrieb der jemenitische Regierungschef laut der Agentur SABA.

Auch die Uno-Hochkommissarin für Menschenrechte, Louise Arbour, warnte vor einem schnellen Vollzug des Todesurteils. Dabei zog sie in einer am Donnerstagabend in Genf herausgegebeben Erklärung indirekt in Zweifel, dass der Prozess in allen Punkten rechtlich einwandfrei gewesen sei. „Es gab eine ganze Reihe von Bedenken gegen die Fairness der Verhandlung“, schrieb Arbour. „Wir brauchen die Gewissheit, dass diesen Bedenken auch ausreichend nachgegangen wird.“

Bei einem Anschlag rund 60 Kilometer nordwestlich Bagdads starben derweil mindestens zehn Gläubige, als sich ein Selbstmordattentäter nach dem Freitagsgebet vor einer schiitischen Moschee in die Luft sprengte. Mindestens elf weitere Iraker wurden verletzt. In der südirakischen Stadt Basra kam ein britischer Soldat ums Leben, als am Straßenrand ein Sprengsatz detonierte. US-Soldaten töteten nach eigenen Angaben bei mehreren Razzien in Bagdad und Saddams Heimatprovinz Salahuddin sechs mutmaßliche Terroristen.

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