Irak-Tagebuch
Wasserpfeife, Domino und Tric-Trac

Terror und Zerstörung weichen Ruhe und Stabilität: Auf den Straßen Falludschas, der einstigen Hochburg des Terrors, herrscht wieder reger Betrieb, der Wiederaufbau der Stadt schreitet voran. Auch wenn Strom und Wasser weiter knapp bleiben, die Bürger erobern sich ihre Stadt zurück. Der Alltag in Falludscha.

FALLUDSCHA. Noch bis vor kurzem gehörte Falludscha in der westirakischen Provinz Anbar zu den Hochburgen von Terroristen und Bewaffneten. Doch nun haben sich die Verhältnisse völlig verändert. Nachdem lange Bombardierungen, Autobomben und Schüsse zum Alltag in der 300 000-Einwohner-Stadt 50 Kilometer westlich von Bagdad gehörten, herrschen nun Ruhe, Stabilität und ein reges Treiben für den Wiederaufbau der Stadt, vor allem deren zerstörte Infrastruktur.

Der Wiederaufbau in allen Teilen der Stadt zaubert wieder das Lächeln auf die Gesichter vieler Menschen zurück, nachdem sie wegen der täglichen Kämpfe und Morde so lange schwer gezeichnet waren. Die meisten Straßen von Falludscha haben neue Beleuchtungen erhalten, und das neue Zentralkrankenhaus steht ebenso kurz vor seiner Einweihung wie Dutzende Kliniken und Schulen.

Viele Einwohner von Falludscha gehen nun wieder optimistisch ihrer täglichen Arbeit nach. Der 35-jährige Munir ist Ingenieur einer Baufirma, die im Zentrum von Falludscha eine Straßenüberführung baut. Im neuen Falludscha kann er in der Frühe seinen Arbeitstag ohne Furcht vor Mörderbanden, Kidnappern oder religiösen Drohungen beginnen. Munir sagt: „Infolge der tobenden Schlachten und der unsicheren Lage konnte ich bis vor drei Monaten keine Arbeit finden. Nun ist die Lage sicher, und die Bauprojekte schießen überall wie Pilze aus dem Boden. Ich habe eine feste Arbeit gefunden und kann nun meine Familie ernähren.“

Nur wenige irakische Städte haben die Kriege der vergangenen 20 Jahre so gezeichnet wie Falludscha. Im zweiten Golfkrieg 1991 hatte die Stadt zahlreiche Opfer zu beklagen. Der Krieg 2003 zerstörte fast 60 Prozent aller Gebäude. Im April 2004 belagerten US-Truppen die Stadt mit ihren fast 200 Moscheen vier Wochen lang, um eine Widerstandstruppe zu bezwingen, die Falludscha kontrollierte. Ein Drittel der Einwohner floh aus Falludscha.

Nun herrscht auf den Hauptstraßen von Falludscha wieder Tag und Nacht Stau. Irakische Polizisten haben den Platz der Bewaffneten eingenommen und regeln den Verkehr. Der 28-jährige Ahmed Schakir ist Oberfeldwebel der Verkehrspolizei von Falludscha. „Mit den frühen Morgenstunden beginnt auf den Straßen ein reges Hin und Her“, erzählt er. „Autofahrer und Fußgänger eilen zu ihren Arbeitsplätzen, und sie haben im Gegensatz zu früher keine Angst mehr vor Autobomben oder Terroristen. Viele Menschen bedanken sich bei uns Polizisten für unsere Anwesenheit.“

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