Irak
Terroristen in Bagdad töten 132 Menschen

Der schwerste Bombenanschlag in Bagdad seit Jahren hat nach Behördenangaben 132 Menschenleben gekostet. Bei der Doppelexplosion im Westen der iraktischen Hauptstadt wurden zudem mehr als 500 Menschen verletzt.
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HB BAGDAD. Bei den schwersten Selbstmordanschlägen im Irak seit zwei Jahren sind am Sonntag 132 Menschen getötet und mehr als 500 verletzt worden. Wenige Monate nach dem Abzug der US-Truppen aus den Städten explodierten binnen weniger Minuten in der Hauptstadt zwei Bomben vor dem Justizministerium und einem Provinzverwaltungsgebäude. Ein Regierungssprecher sagte, die Anschläge trügen die Handschrift der radikal-islamischen Al-Kaida oder von Anhängern der früheren Regierung Saddam Husseins. Ministerpräsident Nuri al-Maliki ließ erklären, hinter dem Attentat steckten dieselben Kräfte, die im August ähnliche Anschläge auf das Außen- und Finanzministerium verübten. Damals wurden fast 100 Menschen getötet, viele durch umherfliegende Glassplitter.

Dichter Rauch stieg auf als Rettungskräfte verzweifelt nach Überlebenden in Häusertrümmern suchten. Verkohlte und verstümmelte Leichen wurden geborgen, ausgebrannte Fahrzeuge säumten die Straßen rund um die zerstörten Regierungsgebäude in der Nähe des Flusses Tigris. „Ich weiß nicht, wieso ich noch am Leben bin. Die Explosion hat alles zerstört, nichts ist mehr dort, wo es einmal war“, sagte ein Ladenbesitzer. Auch Mitarbeiter der chinesischen Botschaft und mehrerer ausländischer Medien, die in einem Hotel in unmittelbarer Nähe untergebracht sind, kamen offenbar mit dem Schrecken davon. Zwar wurde das Hotel beschädigt, Berichte über ernsthaft Verletzte lagen jedoch nicht vor. In Polizeikreisen hieß es, Selbstmordattentäter seien mit Kleinbussen vorgefahren und hätten dann die Sprengsätze darin gezündet.

„Sie wollen Chaos im Land verbreiten, den politischen Prozess erschweren und die Parlamentswahl verhindern“, erklärte die Regierung von Maliki, der voraussichtlich seine Wiederwahl bei der für kommendes Jahr angesetzten Abstimmung anstreben wird und derzeit versucht, milliardenschwere Ölabkommen abzuschließen, die den Irak zum weltweit drittgrößten Ölproduzenten machen sollen. Nach Einschätzung des US-Militärs könnten Attentäter mit solchen Anschlägen auch zum Ziel haben, Feindseligkeiten zwischen den irakischen Bevölkerungsgruppen wieder anzufachen, die nach der US-geführten Invasion vor sechseinhalb Jahren ausbrachen.

Die Bundesregierung in Berlin verurteilte die Anschläge „auf das Schärfste“. Deutschland werde auch weiter an der Seite des irakischen Volkes stehen und es beim Aufbau eines stabilen und demokratischen Landes unterstützen, erklärte ein Sprecher. Zwar war die Gewalt im Irak zuletzt deutlich zurückgegangen, doch Anschläge wie der am Sonntag oder jener im August schürten neue Zweifel, dass die Iraker die Sicherheitslage auch ohne die Hilfe ausländischer Truppen in den Griff bekommen können, zumal die irakischen Sicherheitskräfte bei den Anschlägen vor zwei Monaten Fehler einräumten. Außerdem wollen die US-Soldaten sich bis Ende 2011 völlig aus dem Land zurückziehen.

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